In Amsterdam liefert die Königliche Buchdruckerei Accidenzien für den Staat. Eine bedeutende Anstalt ist die von Roeloffzen & Hübner in Amsterdam mit drei Rotations- und sieben gewöhnlichen Schnellpressen; sie druckt die in 20000 Exemplaren täglich in einem Umfange von 8–16 Seiten erscheinende Het News van den Dag mit ihrem Sonntagsblatt. C. A. Spinn & Zoon bringen sehr kunstreiche Accidenzarbeiten. Zu erwähnen sind ebenfalls J. van Oosterzee, G. L. A. Amand, Metzler & Barting und Gebr. Binger.
In Haarlem blüht noch das Geschlecht der Enschedé (I, S. 251) und zeigt, dass es nicht auf seinen Lorbeern auszuruhen gedenkt. Das Geschäft arbeitet mit 11 Handpressen, 11 Schnellpressen und 25 Giessöfen und zeichnet sich durch Druck von Reproduktionen, Bibeln und Wertpapieren aus. Van Aspern van der Velde liefert namentlich Illustrationsdruck.
Buchhandel.
Die Interessen des holländischen Buchgewerbes werden seit 1816 von der Vereenigung ter Bevordering van de Belangen des Boekhandels vertreten[130]. Dieselbe hatte im Jahre 1881 in der Art des Pariser Cercle eine Ausstellung von den Erzeugnissen der Hülfsgewerbe des Buchhandels veranstaltet und auch in derselben Weise wie der Cercle einen reichen Katalog erscheinen lassen[131], zu welchem 28 Buchdruckerfirmen jede eine Abteilung und verschiedene Papierfabrikanten Papier geliefert haben. Dieser Katalog zeigt, dass die holländischen Accidenzbuchdrucker bemüht sind, ihren Kollegen in anderen Ländern nachzukommen. Die Arbeiten sind sauber und akkurat, wenn auch von einer Einschlagung neuer Bahnen keine Rede ist.
Als lithographische Farbendrucker haben Tresling & Co. in Amsterdam und Emrik & Binger in Haarlem Verdienste. Das Topographische Institut liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch entstehende Abstufung der Töne vortreffliche Karten in Farbendruck.
Das holländische Papier ist seit alters her berühmt und von bester Qualität. Weltruf hat das Büttenpapier von van Gelder & Zoonen in Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major E. W. J. Bagelaer (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem Pariser Fabrikat beherrscht.
Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jährlich erscheint eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums wird namentlich durch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher Schöpfungen befriedigt.
Unter den holländischen Verlegern seien erwähnt: Kemink & Zoon, P. W. van de Weyer in Utrecht, J. B. Wolters in Gröningen, A. W. Sythoff und E. J. Brill in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag orientalischer Werke haben. Das japanisch-holländisch-englische Wörterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. Überhaupt ist Leyden ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich für medizinische und naturwissenschaftliche Litteratur, während Utrecht die Fächer der Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckplätze sind noch Haag und Rotterdam; am letzteren Orte sind J. Würtheim & Zoon, welche namentlich Artikel für den Export liefern, bedeutend.
Fr. Müller * 22. Juli 1817.