Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des holländischen Buchhandels der neueren Zeit erwarb Frederik Müller auf Grund seiner Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die holländische Bibliographie zu bringen. Müller hatte eine vorzügliche Ausbildung in dem Etablissement von Johannes Müller, welches aus dem Geschäft von Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. [XII]), erhalten. Im Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine mit grossem Geschick ausgeführte Bücherbestellung des Vorstandes der Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab Veranlassung zu der Herausgabe einer Bibliographie néerlandorusse 1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten.

Der Nachdruck hatte in Müller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen, den eifrigsten Bekämpfer, überhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen niederländischen Bibliographie und die Geschichte des niederländischen Buchhandels, zu welcher das Material zum grössten Teil in der Bibliothek des niederländischen Buchhändler-Vereins deponiert wurde[132].


Belgien.

Der Name Belgiens ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai 1861 hauptsächlich durch die masslose Ausübung des zwar damals nicht verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschäfts des Nachdruckes bekannt.

Der Nachdruck.

Da in den belgischen Provinzen die französische Gesetzgebung auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren es selbstverständlich zuerst die besten Werke der französischen Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte Brüssel erst 18 Druckerpressen.

Der König Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur dann ein eigentlicher Vorteil für das Land zu erwarten sei, wenn die Erzeugnisse technisch besser ausgeführt würden, unterstützte die Papierfabrikanten und Buchdrucker und förderte die Einberufung französischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch bis zur Revolution ein mässiger; der Nachdruck beschränkte sich damals hauptsächlich auf Werke für den inländischen Bedarf und nahm erst nach dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an.

Produktion.