Valencia.
Das in Valencia erschienene Bayeri opus de nummis Hebrae-Samarithanis, zwei Bände in Quart, 1781 und 1790, ist ein Werk, welches eine Vorstellung giebt von dem, was die Buchdruckerkunst in Spanien hätte werden können, wenn sie genügende Unterstützung gefunden hätte und nicht zugleich mit der Entwickelung der allgemeinen Bildung unter unglücklichen inneren Verhältnissen so sehr gehemmt worden wäre.
Portugal.
Imprenza Nacional.
Wennauch die Typographie in Portugal[146], gleichwie in Spanien, im allgemeinen keine besonders hohe Stufe erklommen hat, so besitzt das Land doch eine Anstalt, die, vortrefflich geleitet, ganz Vorzügliches leistet: die Imprenza Nacional. Sie ist durch Marquis Pombal, den bekannten Staatsreformator Portugals unter der Regierung Josephs I., ins Leben gerufen, mit der Absicht, eine Anstalt wie die Pariser königliche Druckerei zu schaffen, welche eine Pflanzstätte der Kunst werden, zugleich auch billige Unterrichtsbücher drucken sollte.
Das Dekret, welches die Imprenza Regia anordnete, datiert vom 24. Dezember 1768. Ein Regierungspalast wurde ihr eingeräumt und bereits in den ersten Tagen des Jahres 1769 konnte M. da Costá.sie zu arbeiten beginnen. Die Leitung ward Miguel Manescal da Costá übertragen, einem vorzüglichen Typographen, dessen Buchdruckerei, sowie die Schriftgiesserei des João de Villeneuve als Grundlagen für die Staatsanstalt angekauft waren. Einer damit verbundenen Gravierschule stand der geschickte Joaquim Carneiro da Silva vor. Eine Spielkartenfabrik war die Melkkuh des Instituts.
Von 1769–1801 wurden unter da Costás Direktion 1230 Bände gedruckt, unter welchen viele bedeutende Erscheinungen. Nach dessen Tode wurde eine Junta administrativa ernannt, mit dem gewöhnlichen Erfolg kollegialischer Behandlung technischer Geschäfte. Im Jahre 1810 schritt man zur Ernennung eines General-Administrators in der Person Joaquim da Costás, der mit einer kurzen Unterbrechung die Leitung der Anstalt bis 1833 behielt. Mit dem Sturze der Regierung Dom Miguels wurde die Staatsdruckerei dem Ministerium des Innern direkt untergeordnet.
J. P. Marcécos.
Mit der 1838 erfolgten Wahl des José Frederico Pereira Marcécos zum Administrator begann die Glanzzeit der Anstalt. Marcécos bereiste England, Frankreich und Belgien und brachte die Erzeugnisse der neuesten Erfindungen mit nach Hause. Nach F. A. Marcécos.seinem frühen Tode, 1844, wurde die Stelle seinem Bruder Firmo Augusto Marcécos anvertraut, welcher fortfuhr, alle Verbesserungen der Neuzeit einzuführen, daneben Lehrlingsschulen, Hülfskassen u. dgl. errichtete. Vom Staate erhält die Anstalt keinen Zuschuss, sie hatte im Gegenteil bis zum Jahre 1873 an diesen drei Millionen Franken abgeliefert und beschäftigte in dem genannten Jahre über 300 Personen. Zwei Deutsche haben viel zur Hebung der Anstalt beigetragen: Joseph Leipold, der Direktor der galvanoplastischen Abteilung, und Ignaz Lauer, Leiter der Schriftgiesserei. Seit 1878 ist der Vorsteher Dr. Venancio Deslandes[147].