Pressverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten.
Preussen.

Preussen genoss schon vor Friedrich dem Grossen eine gewisse Freiheit und letzterer gewährte den Zeitungen einen noch grösseren Spielraum und bediente sich sogar derselben, um seine Massregeln vorzubereiten oder zu verteidigen. „Die Gazetten, wenn sie interessant sein sollen, müssen nicht geniert werden.“ Doch darf man dieses Wort nicht zu genau nach dem Buchstaben nehmen. Über Angriffe auf seine Person dachte der König allerdings sehr liberal, dagegen konnte er bei Einmischung in seine Verwaltung unduldsam werden. Die Zensur der Schriften, welche das öffentliche Recht behandelten, übertrug er dem Kabinettsministerium. Im Jahre 1747 wurde die Berliner Akademie mit der Zensur aller Schriften betraut. 1749 erschien ein etwas verschärftes Zensuredikt, welches bis zum Tode Friedrichs in Kraft blieb, jedoch mild gehandhabt wurde, wie der König überhaupt die Presse mit mehr Achtung behandelte, als man damals gewohnt war.

Nach dem Tode Friedrichs nahm die Lage in Preussen eine andere Gestalt an. In dem Jahre 1788 erschienen das berüchtigte Religionsedikt und das diesem geistesverwandte Zensuredikt vom 19. Dezember desselben Jahres. Natürlich „wollte man den Unterthanen alle erlaubte Freiheit gern akkordieren“ — aber „zugleich Ordnung im Lande haben“.

Die französische Revolution und Napoleons eiserner Druck auf Deutschland hemmten den Fortschritt gewaltig, wennauch sein Dekret vom 5. Februar 1810, durch welches die Angelegenheiten der Presse, des Buchhandels und der Buchdruckerei geordnet werden sollten, auf Grund der Schwerfälligkeit des gesamten Apparates in seinen Folgen nicht so schlimm wurde, als man hätte befürchten müssen[153].

In den nichtpreussischen Teilen des deutschen Reiches sah es bald besser, bald schlimmer aus, je nach dem Vorgehen der Einzelregierungen, denn die Reichsgesetze hatte man entweder im stillen beseitigt oder sie waren gar, wie in Holstein, wo die dänische Pressfreiheit eingeführt war, offiziell abgeschafft. Auch in Mecklenburg, Braunschweig, Weimar, Hessen-Darmstadt, Nassau bestand faktisch Pressfreiheit, ohne dass sie rechtlich garantiert war. In Hannover waren wenigstens die Werke der Professoren der Universität Göttingen zensurfrei. In Baden, Dessau und den freien Reichsstädten, namentlich in Hamburg, fand die Tagespresse in der Regel Bayern.eine sichere Zufluchtsstätte. Am traurigsten sah es in Bayern aus. Nach einem kurzen Lichtblick unter der Regierung des Kurfürsten Maximilian III. Joseph war ein ganz massloser Druck eingetreten, Württemberg.und auch in Württemberg wurde grosse Härte und Willkür geübt. Es kam dort zu Vorgängen — wie gegen den Dichter Schubart —, die sich denen der Säbelherrschaft Napoleons nicht unwürdig anreihen.

Die geistlichen Staaten.

In den geistlichen Staaten unterlagen die Presserzeugnisse neben der weltlichen Zensur auch noch der des römischen Stuhles und es kamen öfters Fälle vor, dass Schriften auf Befehl Roms nachträglich konfisziert wurden, nachdem sie bereits die Landeszensur passiert hatten.

Sachsen.

Sachsen, obwohl der Hauptsitz des Buchhandels, war nicht, wie man es wohl hätte erwarten können, geneigt, zu freisinnigen Pressinstitutionen die Initiative zu ergreifen, um damit Leipzig auch zum Zentrum der wissenschaftlichen Bewegung und der Tagespresse zu machen, wie es der Mittelpunkt des bibliopolischen Verkehrs geworden war. Es fehlte sowohl bei der Regierung wie bei dem Volke der eigentliche Schwung. Schon die Religionsverschiedenheit der Herrscher und des Volkes legte der freien Behandlung religiöser Fragen Hindernisse in den Weg. War man jedoch auch nicht freisinnig in der Gesetzgebung, so war man doch in der Praxis mild und suchte den Buchhandel auf Grund von Leipzigs Stellung zu demselben möglichst zu schonen[154]. Die Bücherkommission, zu welcher die Regierung Mitglieder der Universität, des Rats und später des Buchhandels ernannte, verfuhr mit grösster Schonung, nur über einen, den strengen Zensor Bel, war man sehr missgestimmt; ja es kam so weit, dass man von dem Wegbleiben der Auswärtigen von der Messe sprach.

Die nationale Litteratur.