Zeitschriften.
Mit dem Beginn der vorliegenden Periode beginnt auch das Aufblühen der nationalen Litteratur, die zu Ende des XVIII. und zu Beginn des XIX. Jahrhunderts ihre schönsten Blüten trieb. Zu der Zeitungslitteratur, welche sich mit Besprechung oder Kritik der öffentlichen Zustände beschäftigte, gab erst A. L. v. Schlözer in Göttingen, dem K. F. v. Moser nacheiferte, den Anstoss. Schlözers Staatsanzeigen 1782–1793 hatten zurzeit 4000 Abnehmer und waren selbst in den höchsten Kreisen beachtet. Von da ab wurden alle Der Buchhandel.Verhältnisse in den Wochen- und namentlich in den Monatsschriften erörtert und um 1785 gab es 400–500 Zeitschriften. Die politische Tagesschriftstellerei war damals noch nicht ein förmliches Gewerbe, die Unternehmer waren meist Professoren und Gelehrte, die Bücherkäufer bestanden hauptsächlich nur aus Gelehrten, Bibliotheken und Beamten, deren begrenzte Mittel sie jedoch gewöhnlich zwangen, sich auf das Nötigste zu beschränken. Das übrige Publikum begnügte sich nicht selten mit fader Unterhaltungslitteratur. Ein direktes Eingreifen des Buchhandels, um neue litterarische Erscheinungen hervorzurufen, war nur selten bemerkbar, der buchhändlerische Unternehmungsgeist war noch nicht erwacht.
Erst mit Friedr. Arnold Brockhaus beginnt das eigentliche tendenziöse Eingreifen der Verleger, welche die Verbreitung wirklicher allgemeiner und politischer Bildung ins Auge fassten. Aber welche Quelle der Sorgen und Plagen sollten ihm und seinen Gesinnungsgenossen aus solchem Beginnen erwachsen[155]!
Reform des Buchhandels.
Eine Reform des buchhändlerischen Geschäftsbetriebes war schon in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts versucht worden, namentlich richteten sich die Bestrebungen auf die Unterdrückung des Nachdrucks und auf Gleichmässigkeit und Ordnung in den Rechnungsverhältnissen. Ph. E. Reich in Leipzig gelang es 1765, den ersten Buchhändler-Verein zustande zu bringen, doch war die Wirksamkeit desselben keine grosse und er verschwand bald ganz. 1792 versuchte P. G. Kummer in Leipzig wieder einen solchen zu begründen, jedoch erst der durch C. C. Horvath aus Potsdam hervorgerufene Börsenverein[156] war von Dauer und aus ihm entstand 1824 erst der wirkliche, jetzt noch bestehende Börsenverein der Deutschen Buchhändler, dem es namentlich durch die unermüdlichen Anstrengungen des 1833 am 25. Februar gegründeten Leipziger Buchhändler-Vereins und durch die liberale Unterstützung der Sächsischen Regierung gelang, am 1. Mai 1836 sich in dem eigenen stattlichen Börsengebäude versammeln zu können.
Börsenverein.
Seit der Zeit ist der Verein ruhig fortgeschritten und zählte 1882 1480 Mitglieder. Sein Haus besitzt er seit 1869 vollständig schuldenfrei; ausserdem eine höchst wertvolle, in ihrer Art einzig dastehende Fachbibliothek und reiche Sammlungen für die Geschichte der graphischen Künste[157], einen Verlag fachgeschichtlicher Schriften, ein wohlgeordnetes Finanzwesen und ein Vermögen von nahe an 400000 Mark.
Ein wesentlicher Einfluss auf die Gesetzgebung über das litterarische Eigentumsrecht und auf die Ordnung der Verhältnisse der Presse ist dem Verein durch das Vertrauen der Regierungen zugefallen. Einige in letzter Zeit in seinem Schosse entstandene Differenzen, die aus den Versuchen entsprangen, dem Verein Machtbefugnisse beizulegen, die ihn berechtigt haben würden, in geschäftliche Verhältnisse des Einzelnen einzugreifen, waren nicht derart, um für den so fest begründeten nützlichen Verein Gefahren zu bereiten.
Das Vereinsorgan ist das 1834 gegründete, seit 1867 täglich erscheinende „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“[158]; dieses im Verein mit dem „Naumburgschen Wahlzettel“, „Schulz' Adressbuch für den deutschen Buchhandel“ und dem „Hinrichsschen Bücherverzeichnisse“ sind geschäftliche Hülfsmittel von grossem Werte, wie sie in dieser Ausdehnung keine andere buchhändlerische Organisation besitzt[159].