Aufschwung der Pressgewerbe.

Fast gleichzeitig mit der Gründung des Börsenvereins und des Leipziger Buchhändler-Vereins war die grosse politische Bewegung infolge der Julirevolution in Paris 1830 und die bedeutenden technischen Verbesserungen der Typographie eingetreten. Die Produktion kam nun rasch in Fluss und trat in mancher Beziehung in andere Bahnen ein. War der Buchhändler früher weniger ein Spekulant gewesen, so wurde er jetzt vielfach ein Bücherfabrikant und unterlag als solcher mehr als sonst den Schwankungen der Zeitverhältnisse[160].

Die illustrierten Blätter.

Die Zeitschriften, selbst die belletristischen, schlugen unter Führung des jungen Deutschlands mehr oder weniger eine tendenziös-politische Richtung ein. Daneben wucherte die Broschürenlitteratur in üppigster Fülle.

Geradezu umwälzend wirkte 1832 das Erscheinen des Penny magazine (S. [94]) auf die deutsche Journallitteratur. Es entstanden die verschiedensten Nachahmungen und selbst die Verleger der nichtillustrierten Blätter waren wenigstens bemüht, diese durch Bilderprämien, zuerst Stahlstiche und schwarze Lithographien, später Chromolithographien, unter Zuhülfenahme der Colportage „bis in die Hütten“ zu verbreiten. Den Pfennigblättern folgte 1843 die „Illustrierte Zeitung“. Auch der Humor machte unter Vortritt der „Fliegenden Blätter“ (1845) seine Rechte in einer Reihe von periodischen Schriften geltend, in welchen hauptsächlich die lithographische Federzeichnung, bei welcher der Künstler ohne die Dazwischenkunft eines Anderen seiner Laune die Zügel schiessen lassen konnte, Verwendung fand.

Die Kalenderlitteratur.

Im Gefolge der illustrierten Blätter und unterstützt durch die grossen Fortschritte der Holzschneidekunst stellten sich die zahlreichen Volkskalender ein, von denen der von Fr. W. Gubitz (1833) herausgegebene der reichste an Inhalt sowie an Illustrationen, zugleich der am weitesten verbreitete war. Leider wurde dieser volkstümlichsten und bei ehrlichem Streben sehr beachtenswerten Gattung von Presserzeugnissen nicht allein durch die Höhe der daraufgelegten Stempelsteuer, sondern noch mehr durch die mit der Erhebung derselben in der Zeit der Vielstaaterei und der ausgebildetsten Zollplackerei verbundenen Schwierigkeiten sehr gehemmt und den Verlegern eine Quelle des fortwährenden Verdrusses und Nachteils eröffnet.

Die illustrierten Heftwerke.

Die Illustration bemächtigte sich jedoch nicht nur der Journallitteratur, sondern es entstanden auch illustrierte Lieferungswerke in grosser Zahl, welche bei der Erscheinungsweise in Heften zu 2½, 5 oder höchstens 10 Groschen leicht Eingang fanden, bis Missbrauch der Geduld und der Kasse des Publikums sie in Misskredit brachte.

Den Reigen begannen Werke mit lithographischen, zumteil kolorierten Bildern, dann folgten solche mit Stahlstichen, Holzschnitten und Chromolithographien. Leipzig und Stuttgart gaben den Ton an. Österreich blieb in der Produktion zurück, bildete aber das vorzüglichste Absatzgebiet. Für Holzschnittwerke wurden zuerst namentlich französische Clichés benutzt; bald aber konnte Deutschland Originale genug liefern und gab bereits im Jahre der Jubelfeier von Gutenbergs Kunst vollgültige Beweise seines selbständigen Schaffens. Die Stahlstichwerke wurden hauptsächlich mit englischen Produkten illustriert; dann wagte man sich daran, unter Beihülfe englischer Künstler, von denen viele sich in Deutschland etablierten, die Stiche selbst zu liefern.