Für die erste Zeit nahmen Zeitungen und Broschüren[161] die Aufmerksamkeit des Publikums ausschliesslich in Anspruch. Viele Kontinuationswerke kamen ins Stocken; der Kredit des Buchhandels wurde beschnitten. Nur in der Zeitungslitteratur herrschte frisches Leben, aber auch eine grosse Zersplitterung der Kräfte, unter welcher die Erzielung grosser Resultate sehr schwer war. Jede Parteischattierung, jede Stadt, jedes Städtchen wollte ein Blatt oder Blättchen für sich haben.

Während die politischen Zeitungen mit ihren reichhaltigen litterarischen und schönwissenschaftlichen Feuilletons die eigentliche Unterhaltungslitteratur und auch die litterarischen Blätter ganz zurückdrängten, gediehen die illustrierten, halb unterhaltenden, halb belehrenden Wochenblätter, für welche die „Gartenlaube“ die Bahnbrecherin gewesen war, vortrefflich.

Modezeitungen.

Als ein bedeutendes Element trat die Mode hinzu. Die grossen Muster- und Modezeitungen, welchen zurseite die Frauen standen, die zum Schrecken der Männer alles Mögliche und Unmögliche behäkelten oder bestickten und in „Schnitten“ das Unglaublichste leisteten, fanden eine mitunter kolossale Verbreitung und wurden selbst in Paris massgebend.

Auch die politisch-soziale Satire hatte ihren Tummelplatz, auf welchem der „Kladderadatsch“ sich als Vorturner auszeichnete.

Die Reaktion.

Nachdem die Regierungen nach der Sturmperiode sich von ihrem Schrecken erholt und wieder festeren Boden unter sich fühlten, begann die Reaktion erst im stillen, dann offen ihr Spiel zu treiben und die Verfolgungen gegen Schriftsteller, Verleger und Drucker gehörten zur Tagesordnung. Von allen Seiten trat die Politikmüdigkeit ein, dagegen stieg die Lust an Büchern in demselben Verhältnis wie die Unlust an Zeitungen. Die Konkurrenz im Buchhandel erhob sich wieder mächtig. Sprach jemand einen Gedanken aus, so fiel gleich ein halbes oder ganzes Dutzend Verleger über denselben her und zeigte sich bereit, an der Abhülfe eines längst Die Kollektiv-Unternehmen.gefühlten Bedürfnisses mitzuwirken. Die Kollektiv-Unternehmungen aller Art schossen wie Pilze aus der Erde und fanden guten Absatz, mit Ausnahme der Romansammlungen, denn trotz der Billigkeit und der zumteil guten Auswahl derselben zog das Publikum doch vor, sich mit der schönen Litteratur durch die Zahlung von fünf Pfennigen oder einem Groschen Leihgebühren pro Band abzufinden.

Durch die Eisenbahnen war die Welt in eine fortwährende Bewegung gekommen. Es musste also auch für die Bedürfnisse des reisenden Publikums gesorgt werden, was in ergiebigster Weise durch Reisehandbücher und Reiseatlanten, Parleurs etc. geschah.

Der 9. November 1867.