Ein Tag von grosser Bedeutung in der Geschichte des Buchgewerbes war der 9. November 1867, an welchem die Verlagsrechte an die Werke der seit 30 Jahren oder länger verstorbenen Autoren Gemeingut wurden. Merkwürdigerweise hatten die hauptsächlichsten Verleger der Werke, die von der Bestimmung getroffen wurden, nicht versucht, der Gefahr beizeiten energisch zu begegnen, und überliessen den Konkurrierenden eine zeitlang das Feld. Diese hatten aber um so vorsorglicher gehandelt und sich zumteil vor Ablauf des Termins mit einigen Verlegern geeinigt, sodass sie noch vor dem 9. November ihre Kollektionen zu den wohlfeilsten Preisen beginnen konnten. Fast noch einschneidender als im Buchhandel wirkte dieser Tag in dem Musikalienhandel.
Der Colportage-Roman.
Neben den besseren Erzeugnissen der Unterhaltungs-Litteratur florierte die Schmarotzer-Pflanze des Colportage-Romans und tötete teilweise den Sinn für ernstere Lektüre, brachte auch nebenbei durch Beigabe grösstenteils mittelmässiger Prämienbilder die jugendlich frisch aufblühende Kunst des Farbendruckes in Misskredit.
Die Pracht-Albums.
Die grossen Fortschritte der Typographie, der Xylographie und der Chromolithographie in Verbindung mit der Photographie und den verschiedenen Lichtdruckverfahren hatten den Geschmack für schöne Bücher mächtig gefördert und riefen ARCHITEKTONISCHE und technische Werke von grossem Werte, sowie Mustersammlungen der besseren Erzeugnisse alter, mittlerer und neuerer Zeit hervor. Es folgten prachtvolle ethnographische Werke. Schliesslich entstand eine wahre Sintflut von Albums, hauptsächlich mit photographischen Illustrationen zu Gedichten, Romanen, Opern u. dgl.
Die „Mark-Bibliotheken“.
Als jüngste Phase des Buchhandels, deren Resultate noch nicht vorliegen können, müssen die Mark-bibliotheken bezeichnet werden, in welchen ein hübsch gebundener Band für eine Mark geliefert wird. Diese Kollektionen beschränken sich nicht auf die Unterhaltungs-Litteratur, sondern dehnen sich auch auf die wissenschaftliche aus.
Die Landkarten-Produktion.
Zum Schluss sei noch die Landkarten-Produktion erwähnt. Diese erhielt durch Hülfe der Chemitypie und der Zinkographie, sowie der Vielfarben-Druckmaschine eine gewaltige Ausdehnung und die Billigkeit der Erzeugnisse bei schöner Ausführung grenzt an das Wunderbare. Da diese Branche der Aufklärung ohne jeden bitteren Beigeschmack dient, so kann die Freude hierüber eine ungetrübte sein.