J. D. Trennert.
Genzsch & Heyse.

J. A. Genzsch * 14. Sept. 1800, † 29. Juni 1869.

Im Norden Deutschlands waren die bedeutendsten derselben J. D. Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, welche hauptsächlich die Bedürfnisse des skandinavischen Nordens und Russlands deckten. Der Gründer der letztgenannten Firma, J. A. Genzsch aus Audigast in Sachsen, ward 1827 erster Faktor bei Fr. Dresler & Rost-Fingerlin, als diese in Frankfurt a. M. eine Schriftgiesserei etablierten. Im Jahre 1833 assoziierten sich Genzsch und J. G. Heyse aus Bremen und führten die Thorowgoodschen Schreibschriften in Deutschland ein. Die Firma, seit 1866 im Besitz von Emil Julius Genzsch, dem Sohne des Gründers, erwarb sich besondere Verdienste um die Einführung der Renaissance-Antiqua mit entsprechenden Kopfleisten, Vignetten und Initialen, sowie um die Umgestaltung der Schwabacher Schriften. Da man für letztere nicht so wie für die Antiqua ältere mustergültige Vorbilder hatte, weil die Stempelschneiderei Deutschlands zur Zeit der Einführung der Schwabacher (I, S. 41) auf keiner hohen Stufe stand, so musste der Versuch gemacht werden, etwas Neues zu schaffen, und es ist in der That Genzsch & Heyse gelungen, sehr ansprechende moderne Schwabacher Schriften in allen Grössen herzustellen. In jüngster Zeit etablierten Genzsch & Heyse eine Schriftgiesserei in München durch Ankauf zweier dortigen Firmen[168].

Fr. Vieweg & Sohn.

In Braunschweig wirkten als Schriftgiesser namentlich Fr. Vieweg & Sohn, allerdings nur für den eigenen Bedarf schaffend, aber sehr für Verbreitung des guten Geschmacks wirkend.

Berlin.
Hänel-Gronau.

Die Hänelsche Offizin in Berlin ging nach verschiedenem Wechsel in die Hände W. Gronaus über und behauptete sich unter dessen kräftiger und einsichtsvoller Leitung als eine der vorzüglichsten Anstalten Deutschlands. Im Hänelschen Geiste wurden Ornamente, Zier- und Brotschriften in reicher Fülle geschaffen, zugleich der Schnitt griechischer und russischer Schriften gepflegt. Auch als Druckerei behielt die Offizin einen ehrenvollen Platz. J. H. F. Bachmann * 8. Juli 1821, † 27. Juli 1876.Hier wirkte als Faktor J. H. F. Bachmann aus Stralsund. Acht Jahre verbrachte dieser in Kiew als Leiter erst der Universitätsbuchdruckerei, später der Regierungsdruckerei. Nach Deutschland zurückgekehrt, weilte er 1850–1860 bei J. H. Meyer in Braunschweig, wo er den Grund zu seiner ziemlich umfangreichen fachschriftstellerischen Thätigkeit legte. Sein letztes Werk war das 1875 in Weimar erschienene ausführliche „Handbuch der Buchdruckerkunst“.

Trowitzsch & Sohn.
v. Decker.

Eine bedeutende Thätigkeit entwickelten Trowitzsch & Sohn, auch als Kalenderverleger bekannt. Die von Deckersche Giesserei schaffte in erster Richtung hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Ihre Frakturschriften von einer etwas eigentümlichen Form sind korrekt und tüchtig durchgeführt, konnten jedoch nicht allgemein gefallen. Es hat fast den Anschein, als wäre die Absicht vorhanden gewesen, nach dem Beispiel der Nationaldruckerei in Paris etwas Absonderliches für sich allein zu haben, ohne Rücksicht darauf, ob es zugleich etwas Schönes sei. Im Jahre 1873 zur Zeit der Wiener Ausstellung betrug die Zahl der Stempel und Matrizen über 100000. Deckers lieferten auch orientalische Schriften, die unter der Aufsicht der Akademie der Wissenschaften geschnitten wurden, welche letztere sich überhaupt um diesen Zweig der Schriftgiesserei verdient machte. Beyerhauss.Als Stempelschneider in dieser Richtung erwarb sich Beyerhauss einen Ruf. Unter anderem lieferte er für die amerikanische Mission in New-York 4000 chinesische Stempel, mit welchen 22000 der am häufigsten vorkommenden Kombinationen herzustellen waren. F. Theinhardt.F. Theinhardt lieferte Hieroglyphen nach der Anleitung des Professors C. R. Lepsius, die sich von den Niesschen dadurch unterscheiden, dass sie kein schwarzes Typenbild, sondern nur wie mit der Feder gezeichnete Umrisse bilden. Die Zahl der geschnittenen Charaktere beläuft sich auf über 1300. Auch Theinhardts sonstige fremdländische Schriften und andere Leistungen sind vorzüglich[169].