H. Ehlert.
W. Woellmer.

Treffliche Einfassungen und Ornamente lieferte Heinr. Ehlert. Rastlos schaffte im Accidenzfach Wilh. Woellmer, und namentlich erwarben sich seine Züge, Einfassungen und Schreibschriften, besonders die Rundschriften[170], grosse Beliebtheit, wozu seine von W. Büxenstein in Berlin genial arrangierten und meisterhaft gedruckten Proben das ihrige beitrugen.

Je grössere Dimensionen das Geschäft im allgemeinen annahm, um so vorteilhafter war es, wenn sich Spezialitäten vom Stamm abzweigten und besondere Geschäfte bildeten. Als eine solche Spezialität, welche eine ganz besondere Pflege nötig hatte, ist die Fabrikation von Messinglinien, galvanoplastischen Arbeiten u. dgl. H. Berthold.zu bezeichnen. In der Fabrikation der ersteren hat es H. Berthold in Berlin zu einer grossen Virtuosität gebracht. Besonderen Dank seitens seiner Berufsgenossen erwarb er sich durch seine Bemühungen für die Einheitlichkeit des Schriftkegels und die Herstellung eines Normaltypometers. Unter Beihülfe wissenschaftlicher Kräfte ersten Ranges, darunter des Direktors des Observatoriums in Berlin, Professor Dr. Forster, stellte er nach achtzehnmonatlicher Arbeit ein solches Typometer in einer Länge von 30 cm = 133 Nonpareil = 798 Punkte her[171]. Leider ist auch bei diesem neuen verdienstlichen Versuche nicht das Metermass nach seinen Einheiten genau zugrundegelegt. Man sieht hier, wie bei den orthographischen Verbesserungsplänen, wie schwer es ist, eine wissenschaftliche Reform durchzusetzen, wenn nicht ein Gebot des Staates dahintersteht. Bei dem enormen vorhandenen Setzmaterial und den übergrossen Schwierigkeiten, dieses schrittweise nach einem neuen System zu vervollständigen oder umzumodeln, ist auch nicht abzusehen, wann eine Einheitlichkeit durchgeführt sein kann, denn solche Radikalkuren anzuwenden, wie die Reichsdruckerei es that, indem sie ihre gesamten Schriftenvorräte ins Zeug warf und umgoss, sind nicht jedermanns Sache.

C. Hanemann.

In Jena schnitt C. Hanemann nach Angaben des Professors W. Lagus eine arabische Schrift für die Frenckellsche Offizin in Helsingfors.

Leipziger Schriftgiesser.

Leipzig nahm in der Schriftgiesserei nicht eine so bedeutende Stelle ein, wie man es hätte vermuten sollen. F. A. Brockhaus, Breitkopf & Härtel, Karl Tauchnitz, F. Nies und dessen Nachfolger C. B. Lorck und W. Drugulin u. a., welche hauptsächlich nur im Interesse der eigenen Druckoffizinen arbeiteten, finden Erwähnung bei der Besprechung der Wirksamkeit dieser (Kap. [XII]). Gustav Schelter zeichnete sich namentlich durch seine Musiknoten aus. Der talentvolle, leider zu früh aus dem Leben geschiedene Ernst Otto war ganz besonders um die Verbesserung des Schriftmetalls bemüht. Die einzige bedeutende Schriftgiesserei war langezeit J. G. Schelter & Giesecke.hindurch die von J. G. Schelter & Giesecke, die einen ganz besonders regen Verkehr mit dem Norden unterhielt und eine Filiale in Wien (jetzt Meyer & Schleicher) errichtete. Die Leipziger Anstalt ist in jüngster Zeit ganz nach amerikanischen Grundsätzen umgebildet und gehört durch ihren Umfang und die ausgedehnteste Anwendung von Hülfsmaschinen, welche sie selbst baut, zu den bedeutendsten Schriftgiessereien der Jetztzeit, liefert zugleich kleine Druckmaschinen und alles, was zum Arbeitsmaterial gehört. In jüngster Zeit haben Schelter & Giesecke sich besonders um das Schaffen schöner Ornamente und Einfassungen verdient gemacht[172].

J. Klinkhardt.

Die als Schriftgiesserei noch junge Firma Julius Klinkhardt, früher schon als Verlagshandlung und Buchdruckerei bekannt, entwickelt eine grosse Thätigkeit. Der Gründer der Firma, Julius Klinkhardt, kaufte 1864 die gut eingerichtete Buchdruckerei von Lüders & Umlauf, 1871 die bekannte lithographische Anstalt von J. G. Bach und die Schriftgiesserei von Gust. Schelter. Unter der Beteiligung der Söhne Robert und Bruno Klinkhardt nahm das Geschäft einen ungemein raschen Aufschwung; in Wien wurde 1877 eine Filiale errichtet. Die Anstalt machte namentlich in betreff der Musiknoten und der dekorativen Typographie bedeutende Anstrengungen[173].

Galvanoplastiker und Graveure.