C. Faulmann und die Stenographie.

Carl Faulmann, erst Setzer, dann Stenograph und Linguist, Verfasser mehrerer Werke über Schrifttum und Typographie[174], hat sich ganz besondere Verdienste in betreff der Lösung der schwierigen Aufgabe, die Stenographie in die Typographie einzuordnen, erworben. Die ersten Versuche hatte bereits 1854 Gustav Schelter mit Typen nach Gabelsbergers System gemacht, sie fielen jedoch nicht genügend aus. Die Staatsdruckerei liess von Joseph Leipold und Christian Plesse Typen nach Stolzes System herstellen, die 1854 in München ausgestellt, für den praktischen Gebrauch jedoch zu gross befunden wurden. 1859 zeichnete Faulmann für die Staatsdruckerei neue Typen nach Gabelsbergers System, die, von Leipold geschnitten, sich als zweckmässig bewährten. 1864 erschienen wieder neue Typen von Faulmann, die er auf seine Rechnung von Brendler schneiden liess und die später von der Staatsdruckerei angekauft wurden. Diese neuesten Typen reihen sich ohne Verbindungsstücke an einander an, wie gewöhnliche Typen. Allerdings ist die Zahl derselben, trotz einer grossen Reduktion der früheren 1300 Stücke, noch eine bedeutende, 800, so dass ein Kasten sie nicht alle fassen kann, auch laufen die überhängenden Buchstaben beim Drucken leicht Gefahr, beschädigt zu werden. Liegt es nun auch in der Natur der Sache, dass die Geschwindschrift nie Gegenstand eines Geschwindsatzes werden kann, so ist doch das Problem des stenographischen Satzes als glücklich durch Faulmann gelöst zu betrachten[175].

Reichtum an Schriften.

Betrachten wir den grossen Reichtum an Material, welchen die Schriftgiessereien für Einfassungen, Ornamente, Titel-, Schreibschriften u. dgl. den Setzern in die Hände liefern, so können letztere nicht darüber klagen, dass es ihnen an Mitteln gebricht, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen. Eher verleitet sie der Reichtum zur Verschwendung und unter den hunderten von Schriften wird mehr gewühlt als gewählt und sinnlose Zusammenstellungen gemacht. Erfreulich ist es zu sehen, wie jetzt das Ausland, das fast nur von den Derrieyschen Einfassungen zehrte, jetzt die deutschen Produkte vielfach benutzt, die selbst in Frankreich Eingang fanden.

Übersättigung führt zur Einfachheit und so haben in den letzten Jahren die einfache typographische Linie und der Punkt (S. [304]) eine bedeutende Rolle gespielt und oft werden mit diesen kleinen Mitteln wirkliche Meisterstücke ausgeführt, in welchen namentlich W. Büxenstein in Berlin, Jul. Klinkhardt in Leipzig und die Pierersche Hofbuchdruckerei in Altenburg excellieren, der in letzterer arbeitende taubstumme Watzulik ist ein ausserordentliches Setzer-Genie[176].


Die Stereotypie.

Das Stereotyp-Verfahren[177] wird in ausgedehnter Weise in Deutschland geübt, ohne dass dieses selbst bedeutende eigene Verdienste um dasselbe erworben hätte, wenn sich auch Spuren älterer Versuche zeigen.

Ältere Versuche.