Ein Steingutfabrikant, Schmidt in Durlach, fand auf einem Schutthaufen seiner Fabrik das Bruchstück einer Schriftplatte in Porzellan, welche den Schluss einer Dedikation oder eines Gesuches an den Grossherzog Karl von Baden seitens eines Müller d. ä., datiert Paris den 1. August 1787, enthält, des Inhalts:
„Diese Erfindung ist in Teutschland schlechterdings unbekannt. Sie gehört dem Amtmann Hoffmann, welcher aus einer alten Familie aus den Markgräflich-Badenschen Landen herstammt. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn sie unter der Protektion Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht, durch mich, durch Errichtung einer Polytypie eingeführt, und alle Kirchen- und Schulbücher meines gnädigsten Privilegii, zuerst in Teutschland polytypiert, von mir können abgedruckt werden. Ein Unternehmen, das der glorreichen Regierung meines gnädigsten Fürsten ein ewiges Denkmal stiften und den wärmsten Dank aller edlen Seelen verdienen wird; denn das Werk ist eines Fürsten würdig.
Ich ersterbe ehrfurchtsvoll
Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht
unterthänigster treu-gehorsamer Knecht
Müller älter.“
V. v. Pallhausen.
Im Jahre 1805 machte Vincenz von Pallhausen in München, unterstützt von dem Xylographen Th. Neuer, einen Versuch zu stereotypieren. Ehe dieser einigermassen gelang, verunglückten verschiedene Platten. Von den hiervon noch übrig gebliebenen, deren Inhalt ein Gedicht auf Gutenberg bildet, veranstaltete Prögel in München 1836 einen Abdruck in einem Büchlein: „Denkmal in Stereotypen den Manen Gutenbergs 1805 gewidmet von Vincenz von Pallhausen“.
Polytypen, Plakat- und grössere Titelschriften waren längst mit der Hand clichiert worden. Die Clichiermaschine von Pfnorr in Darmstadt erleichterte sehr das Verfahren[178].
Stanhopes Stereotypie.
Die ersten, welche das Stanhopesche Verfahren in Deutschland erwarben und ausbeuteten, waren v. Decker und K. Tauchnitz; 1819 kam es nach Österreich. Die Stereotypendrehbank[179] vereinfachte die Arbeit. Eine grosse Förderung gewährte die Papierstereotypie (S. [153]). In Deutschland war Georg Jaquet in München der erste, der das Verfahren 1834 erwarb. Für die weitere Verbreitung wirkten namentlich Th. Archimowitz und J. Isermann in Hamburg[180].
Stereotypie in Eisen.
Versuche mit Stereotypen in Eisen wurden schon 1805 auf Veranlassung des Buchhändlers Gädicke in Berlin gemacht. Auf den Rübeländer Eisenwerken im Harz brachte Ziegler nach jahrelangem Arbeiten eine vollständige Bibel in dieser Weise zustande.