So vorteilhaft die Stereotypie ist, namentlich zur Herstellung der Clichés von Abbildungen, ohne welche die illustrierte Litteratur nie eine so enorme Ausdehnung hätte erreichen können, so wurde sie doch bedeutend durch die Herstellung von Clichés auf galvanoplastischem Wege übertroffen.
Galvanoplastik.
H. Jacobi * 21. Sept. 1801, † 10. März 1874.
Die Galvanoplastik[181] ist eine Erfindung des Deutschen Moritz Hermann Jacobi aus Potsdam. 1835 erhielt dieser einen Ruf nach Dorpat, 1837 nach St. Petersburg. Bereits in diesem Jahre erfand er das Verfahren, auf chemischem Wege Kupfer abzulagern, und, abgesehen von den sonstigen hochwichtigen Verwendungen, druckbare Kupferplatten sowohl für den Tiefdruck auf der Kupferdruckpresse als für den Hochdruck auf der Buchdruckpresse, je nach dem Original, zu erzielen. Das Verfahren kaufte die russische Regierung, die mit einer höchst anerkennenswerten Liberalität es der Allgemeinheit preisgab. Die erste Veröffentlichung geschah in dem Bulletin der Akademie zu St. Petersburg vom 5. Oktober 1838.
Missbrauch der Galvanoplastik.
Die Galvanoplastik ward jedoch für das Geschäft zu einer zweischneidigen Waffe. Die Möglichkeit, durch ihre Hülfe von einem Cliché oder einer Type eine getreue Mater herzustellen, somit ohne Kosten und Mühe sich die Arbeit des Stempelschneiders oder Holzschneiders anzueignen, wurde stark gemissbraucht. Nicht nur über die Produkte des Auslands fiel man her, sondern auch die Kollegen im Inlande wurden nicht geschont und ein Gesetz verbot diese kollegialische Beraubung nicht. Hier konnte nur Selbsthülfe wirken und am 15. Mai 1857 konstituierte sich auch ein deutscher Schriftgiesser-Verein, jedoch erstens waren nicht alle Schriftgiessereien Mitglieder des Vereins und zweitens konnte dieser weiter keine Strafe diktieren, als öffentliche Bekanntmachung von Kontraventionen, und diese genügte nicht immer. Erst der Erlass des Reichsgesetzes zum Schutze der Muster vom 1. Juli 1873 konnte dem Übel steuern.
Die dynamo-elektrische Maschine.
Ein grosser Fortschritt in der Galvanoplastik ist die Gewinnung von Clichés durch die dynamo-elektrische Maschine, welche als Ersatz für die galvanischen Elemente eintritt und einen kräftigen elektrischen Strom durch Verbindung eines mit Kupferdraht umwickelten, sich rasch drehenden Eisenringes und eines Elektromagneten hervorbringt, welcher stark genug ist, um damit in wenigen Stunden ein Cliché zu erzielen. Diese, namentlich von Sigm. Schuckert in Nürnberg und Siemens & Halske in Berlin erbauten Maschinen sind, wo Dampfbetrieb einmal vorhanden ist, mit einem geringen Kostenaufwande zweckmässigst zu benutzen[182].
Vernickelung.