Die Holzschneidekunst war inzwischen so gut wie abhandengekommen und man nahm deshalb Zuflucht zu dem Kupfer. Kaum ein Buch erschien, welches nicht wenigstens eine Titelvignette, einige Kapitel-Anfangs- und Schlussvignetten aufwies. Von dem Ornament ging man zur wirklichen Illustration über und diesmal kam der Anstoss von Frankreich, wo die Illustration jedoch einen mehr aristokratischen Anflug hatte, während sie in Deutschland, wie in früherer Zeit, den volkstümlichen Charakter annahm und namentlich eine Begleiterin der vielverbreiteten Kalender wurde.

Einer der grössten Meister in dieser illustrierenden Kleinkunst war Daniel Chodowiecki, geboren in dem damals noch zu Polen gehörenden Danzig. Da der Vater frühzeitig starb, musste Daniel ein Handwerk ergreifen, später konnte er jedoch seiner Neigung folgen und bildete sich unter der Leitung des Malers Haid mit Erfolg für die Kunst aus. Mit dem Jahre 1764 traten seine Arbeiten mit der Radiernadel in den Vordergrund; 1769 lieferte er die ersten zwölf Blätter Illustrationen zu Lessings „Minna von Barnhelm“. Von nun an häuften sich die Aufträge der Buchhändler derart, dass seine ganze Arbeitskraft dazu gehörte, um sie zu bewältigen, und es giebt kaum einen bedeutenden Schriftsteller damaliger Zeit, dessen Werke er nicht illustriert hätte.

Der Holzschnitt.

Der Holzschnitt trat jedoch nicht gleich die Erbschaft an und es dauerte noch eine Zeit, ehe man an diesem wieder Geschmack fand; wesentlichen Anteil an der Erweckung desselben haben die beiden Unger, Vater und Sohn[186].

J. G. Unger d. ä. * 1715, † 1788.

Johann Georg Unger, der Vater, stammt aus Pirna bei Dresden. Erst Schriftsetzer, widmete er sich seit 1757 ganz dem Holzschnitt. Zu seinen besten Arbeiten gehören „Fünf geschnittene Figuren, gezeichnet von O. Meil“.

J. F. Unger d. j. * 1750.

Joh. Friedr. Unger, der Sohn, war in Berlin geboren. Auch er begann als Buchdrucker, erwarb jedoch als Holzschneider einen noch grösseren Ruf als sein Vater. Bekannt sind seine „Sechs Figuren für Liebhaber der schönen Künste“ (1779) und von Vignetten lieferte er eine grosse Zahl. Als Schriftsteller versuchte er durch mehrere Fachbroschüren zu wirken; seine Bemühungen für die Verbesserung der Frakturschrift hatten keinen Erfolg. Im Jahre 1800 wurde er Professor der Holzschneidekunst.

F. W. Gubitz * 27. Febr. 1786, † 5. Juni 1870.

Derjenige Holzschneider neuerer Zeit, der zunächst als der geistige Erbe Chodowieckis angesehen werden kann und am meisten dazu beigetragen hat, den Holzschnitt aufs neue populär zu machen, ist Friedr. Wilh. Gubitz. Im Alter von 15 Jahren stellte er auf der Berliner Kunstausstellung sieben Vignetten aus, die ihm Ehre und Geld einbrachten. 1812 wurde er Professor der Holzschneidekunst. 1835 begann er seinen Volkskalender, der mit seinen zahlreichen Illustrationen rasch eine grosse Popularität erlangte. Für Buchdrucker lieferte er eine enorme Anzahl von Polytypen, darunter auch eine Serie für Didot in Paris. Sein in Farben gedruckter Heiland nach Lucas Cranach, das Bildnis der Gräfin Voss, seine Blätter in Tuschmanier gehören zu den besten Arbeiten ihrer Art. Gubitz gehörte noch ganz der alten Schule an, welche in dem Holzschnitt mit dem Kupferstich konkurrieren wollte. Er schnitt immer noch in Langholz. Eine eigentliche Schule bildete er nicht und sein talentvollster Schüler Unzelmann war in der Manier das gerade Gegenstück zu Gubitz.