In neuerer Zeit hat Stuttgart sich in der Xylographie namentlich durch das Institut von Ad. Closs ein hohes Ansehen erworben. Es wird Gelegenheit sein, hierauf in dem folgenden zurückzukommen (Kap. [XIV]). Eine hervorragende Stufe nimmt die Anstalt von R. Brend'amour & Co. in Düsseldorf mit Zweiganstalten in Düsseldorf, Berlin, Leipzig und Stuttgart ein.
J. G. Prestel * 1739, † 1808.
Österreich hat in der Xylographie, ganz besonders in dem Clairobscur- und dem Polychromdruck, bedeutende Namen aufzuweisen. Unter den wenigen Leistungen aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts sind die Clairobscur-Blätter von Joh. Gottl. Prestel rühmlichst zu erwähnen, namentlich eine Kreuzabnahme nach Raphael. Auch Karl Friedr. Holtzmann (1740–1811) lieferte Tüchtiges in dieser Richtung. Die vorzüglichsten seiner Arbeiten erschienen gesammelt als „Abdrücke in Helldunkel nach verschiedenen Meistern“. Er wandte, wie schon ältere Künstler es gethan hatten, Kupferstich in Verbindung mit Holzschnitt an und druckte mit zwei bis zu sechs Platten. Auch von Karl Ruprecht (1799–1831) existieren gute Clairobscur-Blätter.
B. Höfel * 27. Mai 1792, † 17. Sept. 1863.
In seiner Arbeitsweise mit Gubitz verwandt, jedoch als Künstler weit bedeutender ist Blasius Höfel. Er war in Wien geboren und zeigte frühzeitig ein ungewöhnliches Zeichentalent. Nach vielen Schwierigkeiten gelang es ihm, einen Platz in der Akademie der bildenden Künste zu erlangen. Um dort am Tage studieren und arbeiten zu können, musste er in den Nachtstunden seinen ärmlichen Lebensunterhalt durch Illuminieren von Bildern erwerben. Anfangs widmete er sich mit Erfolg der Malerei, ging jedoch bald zum Kupferstich über und lieferte eine grosse Anzahl von Blättern, allein 120 Porträts für Artaria. Im Jahre 1820 erhielt Höfel die Professur des freien Handzeichnens an der Militär-Akademie in Wiener-Neustadt.
Auf einer Reise in Deutschland im Jahre 1829 lernte er Gubitz und Unzelmann kennen und sofort die Wichtigkeit der neuerwachten Holzschneidekunst begreifend, warf er sich mit Eifer auf dieses Verfahren. Eine seiner ersten Arbeiten: „Betende Alte“ nach Waldmüller wurde in 127000 Exemplaren verkauft. Die Aufmerksamkeit des Fürsten Metternich ward auf Höfel gelenkt, auf dessen Anregung erfasste er die von Collas erfundene Reliefmanier und lieferte treffliche Platten zu dem „Ehrentempel Österreichs“. Eben im Begriff nach Paris zu gehen, verlor Höfel Haus und Habe durch einen grossen Brand, welcher 633 Häuser in Wiener-Neustadt am 8. September 1834 in Asche legte, und er musste nun von neuem anfangen. Eine Verbindung mit der Nationalbank führte nicht zu einer dauernden Anstellung und infolge einer Reorganisation der Militär-Akademie in Neustadt wurde Höfel pensioniert. Er verband sich nun, um seine Erfindungen auszubeuten, mit dem Buchdrucker Sollinger. Letzterer erhielt bei der Industrie-Ausstellung in Berlin 1840 die goldene Medaille. Höfel ging leer aus. Bei seinem nun folgenden Versuch mit einer eigenen Buchdruckerei geriet er in Konflikt mit dem Gremium der Buchdrucker und Buchhändler, woraus ihm viel Verdruss und viele Verluste entstanden.
Im Jahre 1845 stellte er eine Anzahl der schönsten Farbendrucke aus, darunter eine Madonna nach Führich in 25 Platten auf Goldgrund. Die Verhältnisse des Jahres 1848 zwangen Höfel, sein Geschäft um jeden Preis zu verkaufen. Er ging nun nach Salzburg und baute sich in dem am Fusse des Gaisberges reizend gelegenen Dorfe Aigen einen Meierhof, wo er den Rest seiner Tage, mit der Ausführung verschiedener grosser Stahlplatten beschäftigt, verbrachte.
Auf Aufforderung von G. Haase Söhne lieferte er für die Ausstellung in München einen lebensgrossen Christuskopf nach Hübner in der Baxterschen Manier, 22 Platten Farbe auf Farbe ohne Konturen gedruckt. Das Bild erschien in vier Auflagen. Trotz seines schweren Kampfes mit dem Leben behielt Höfel noch im Greisenalter seine jugendliche Geistesfrische und seinen Unternehmungsgeist, bis eine Lungenlähmung seinem vielbewegten Leben ein Ende machte.
F. v. Exter * 7. März 1820, † 27. Juni 1860.