Fr. Reichenbach † Juni 1883.
Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen. Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach, gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung; grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt. Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38 Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46 im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel fast füllenden Antiquaschriften.
Die Endlose in Wien.
Bereits im Jahre 1859 war mit „Endlosen“ in Wien durch Auer experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen bezeichnet werden (vgl. Kap. [XV]). Nach Wien kamen die ersten zwei englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den Direktor der Druckerei der „Presse“, eingeführt, zunächst um den Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung liess die Druckerei der „Neuen Freien Presse“ eine ihrer grossen Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen umarbeiten, die in dem Pavillon der „Neuen Freien Presse“ in dem Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der „Endlosen“ bis jetzt kein grosses Glück gehabt.
Andere Rotationsmaschinen.
Auch C. Hummel in Berlin baute „Endlose“ und will das Patent von G. A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen. Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern, so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten.
Verschiedene Fabriken.
J. Forst † 14. Febr. 1879.
Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. Sigl in Berlin, der schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; Aichele & Bachmann in Berlin. Die Firma Klein, Forst & Bohn in Johannisberg a. Rh., begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar 1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit dem von E. C. Brunn in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat. Albert & Hamm in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma Bohn, Fassbender & Herber, in Worms die Maschinenfabrik Worms. In Leipzig sind die bekanntesten Firmen Ph. Swiderski, dessen kleine Maschine „Lipsia“ vielen Beifall findet; Schmiers, Werner & Stein, die viele grosse Maschinen bauen. Tretmaschinen fabrizieren A. Hogenforst und Schelter & Giesecke. Eine Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. Schumann in Leipzig, welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195].
Fr. Helbig * 1800, † 1842.