Leo Müller * 1800, † 1843.

In Österreich waren Helbig & Müller die ersten Schnellpressenfabrikanten. Fr. Helbig, ein Sohn aus erster Ehe der Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in Eisleben, hatte bei König gelernt. Leo Müller war in Rieglern in dem Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch unterblieb[196].

Andere Fabrikanten in Österreich.

Als tüchtige Maschinenbauer sind Sigl, Ludw. Kaiser und J. Anger bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G. Bernhardt Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. Fuchs und Jeanrenaud & Co. finden Beifall.

Lithographische Schnellpressen.

Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe, die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre 1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer; Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.

Ferd. Schlotke.
Zinkdruckpresse.

Für den zinkographischen Druck hat Ferdinand Schlotke in Hamburg eine Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird, und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].

Verbesserungen der Handpresse.