Um 1725 war der musikalische Typendruck, dessen Wesen überhaupt seit Petrucci wenig fortgeschritten war, ganz in Verfall geraten und der Kupferdruck hatte dessen Platz eingenommen. Als letzte bedeutende Erscheinung können die in Venedig bei Domenico Lovisa in acht, mit allem, damals zugebote stehenden Luxus ausgeführten Foliobänden gedruckten Fünfzig Psalmen von Benedetto Marcello bezeichnet werden. —

Aus dem Gesagten geht hervor, dass es unrichtig ist, wenn Breitkopf, wie es gewöhnlich geschieht, als Erfinder des typographischen Notendruckes genannt wird, dagegen bleibt ihm, was ihm wieder von verschiedenen Seiten streitig gemacht worden ist, die Ehre, dem typographischen Notendruck eine solche Gestaltung gegeben zu haben, wie er sie noch heute hat. Die Bedeutung dieser That würde eine noch grössere Tragweite haben, wenn nicht die Erfindung der Lithographie und der lithographischen Schnellpresse in dem Notendruck und dem Musikalienverlag eine gewaltige Umwälzung zur Folge gehabt hätte.

Am allertiefsten fast stand vor Breitkopf der Notendruck in Leipzig; selbst die Arbeiten sonst verdienter Männer als Wolfg. Stöckel und Abr. Lamberg sind äusserst mangelhaft. Die Kolumnen sahen mit ihren unendlich vielen, jämmerlich zusammengesetzten Linienstücken vollständig gequirlt aus.

Breitkopfs Noten.

Da erschien im Jahre 1755 bei Breitkopf „Sonnet auf das Pastorell Il trionfo della fedelta“, ein Versuch, der bereits wenig zu wünschen übrig liess, doch ist die umfangreiche (283 S. in qu. fol. umfassende) Tondichtung der Kurfürstin Marie Antonie von Sachsen Il trionfo della fedelta selbst noch geeigneter, die Vorzüge von Breitkopfs Leistungen ins helle Licht zu setzen. In der Schlussschrift heisst es: „Stampato in Lipsia; nella stamperia di Giov. Gottlob Immanuel Breitkopf, Inventore di questa nuova maniera di stampar la Musica con Carratteri separabili e mutabili. E questo Dramma Pastorale la prima opera stampata di questa nuova guisa; comminciata nel Mese di Luglio 1755, e terminata nel mese d'Aprile 1756[207]“.

Der bewegliche Geist Breitkopfs liess ihn jedoch nicht bei solchem Siege Beruhigung fassen, sondern trieb ihn ein Feld zu bebauen, wobei man zwar volle Gelegenheit hat, seine Fähigkeiten zu bewundern, jedoch nicht ohne eine Beimischung des Bedauerns, dass dieselbe so unfruchtbaren Arbeiten zugewendet wurden.

Landkartensatz.

Zuerst wollte er die Herstellung der Landkarten der Buchdruckerei zuweisen. Die Berechnung aller der wellenförmigen Linien der verschiedensten Art für Terrainzeichnung; die Notwendigkeit, die Schrift kreuz und quer nach allen Richtungen hin zu setzen; kurz, alle die Schwierigkeiten, die eine Kartenzeichnung darbietet, machen die typographische Ausführung, wennauch nicht geradezu unmöglich, doch so schwer, dass die Kosten sich nicht in der Praxis erschwingen lassen. Dies fühlte wohl Breitkopf bald selbst, wie aus seiner 1777 herausgegebenen Broschüre: „Über den Druck der geographischen Karten“ hervorgeht, und die darin enthaltenen Proben würden überhaupt kaum an das Tageslicht getreten sein, wenn er sich nicht von dem sein Ehrgefühl verletzenden Verdacht hätte reinigen wollen, dass er mit seiner Erfindung später als Haas in Basel mit der seinigen gekommen sei.

Satz figürlicher Gegenstände.

Diesem Verdacht tritt er mit Entrüstung entgegen und kritisiert streng den Haasschen Versuch, den er „mehr ein opus musivum als typographicum“ nennt, „mit Thon und gekautem Papier nachgeholfen, wie man dergleichen schon längst in der Druckerei kennt“ (vgl. Kap. [XIV]). In demselben Jahre folgte noch „Die Beschreibung des Reichs der Liebe“ mit einer Karte; 1799 „Der Quell der Wünsche“ ebenfalls mit einer Karte, die beide als eine glückliche Lösung seiner Aufgabe nicht betrachtet werden können. Immerhin ist Breitkopfs typographischer Scharfsinn doch sehr zu bewundern, und seine kartographischen Versuche bleiben typographische Reliquien von hohem Wert. Der Satz, der noch heute erhalten ist, beseitigt jeden Verdacht, als sei durch Feile, Messer, unregelmässigen Ausschluss oder in anderer Weise nachgeholfen; alle Stücke sind streng systematisch und einfach, wie in jedem anderen Satz, an einander gereiht.