Veranlasst durch den Tod seiner geliebten Frau und durch die Franzosenherrschaft in Holland siedelte Brockhaus im Jahre 1810 nach Altenburg über und verkaufte 1811 das Amsterdamer Geschäft an Johannes Müller. In Altenburg weilte er bis 1817, um dann, nachdem er zwischen Dresden und Leipzig geschwankt hatte, am letzteren Orte sich bleibend niederzulassen und das in Altenburg bereits nach grossen Dimensionen betriebene Verlagsgeschäft in noch grössere Bahnen zu lenken.

Das Konversations-Lexikon.

Seinen Scharfblick für die Bedürfnisse der Zeit, verbunden mit einer thatkräftigen patriotischen Gesinnung bekundete er durch viele Unternehmungen. Der Eckstein des ganzen grossen Gebäudes blieb jedoch das Konversations-Lexikon. Der Anfang hierzu war bereits um das Jahr 1793 von Dr. Renatus Gotthelf Löbel gemacht. Dieser verband sich mit einem Advokaten Chr. Wilh. Franke zu der Herausgabe; für die buchhändlerische Durchführung wurde Aug. Leupold ausersehen. Das Werk hatte jedoch keinen grossen Erfolg und die Unternehmer verkauften es an Leupold. Nach vielen Schicksalen kam es noch vor dem Erscheinen des sechsten (Schluss-) Bandes an Brockhaus, der nun mit seiner gewohnten Energie an die Vollendung und Umarbeitung ging[209].

Druckerei.

Mehr und mehr fühlte Brockhaus das Bedürfnis über eine eigene Druckerei disponieren zu können und hatte zuerst den Gedanken, diese in Altenburg zu errichten, wovon er jedoch zurückkam. Anfang des Jahres 1818 eröffnete er nun eine Offizin mit drei hölzernen Pressen, zu welchen bald noch weitere vier kamen. Die Innung legte Protest ein, weil Brockhaus kein gelernter Buchdrucker sei. Da musste sein Freund Teubner aushelfen und durch Verkauf, Rückkaufsvertrag etc. etc. wurde es Brockhaus möglich, faktisch seinen Willen durch die Errichtung einer „zweiten Teubnerschen Buchdruckerei“ durchzusetzen, bis der Sohn Friedrich, der bei Vieweg in Braunschweig gelernt hatte, am 21. Okt. 1820 die Konzession als Buchdrucker erhielt.

Die Schnellpresse.

Merkwürdig genug, dass ein Mann, begabt mit dem weiten Blick Brockhaus' und so gewohnt, pekuniäre Schwierigkeiten zu überwinden, sich die Ehre nehmen liess, als erster die Schnellpresse in Deutschland zur Anwendung zu bringen; dies um so mehr, als er die Sache scharf ins Auge genommen hatte und die Wichtigkeit der Schnellpresse vollständig erfasst hatte, wie aus einer Korrespondenz zwischen ihm und König & Bauer, die auch ein interessantes Streiflicht auf Königs weiten Geschäftsblick wirft, hervorgeht[210]. Bereits am 7. November 1818 wandte er sich an König & Bauer, um Näheres über die Leistungsfähigkeit der Schnellpresse zu erfahren, indem er betonte, dass 25 Handpressen nicht imstande gewesen, die Hälfte des Lexikons, fünf Bände in 12000 Auflage, innerhalb fast eines Jahres zu liefern, und dass die Arbeiter bei der Einförmigkeit der Arbeit ermüdeten und zuletzthin nur schlechte Arbeit lieferten. König & Bauer beleuchten in ihrer Antwort, dass 2–3 Schnellpressen genügen würden, um 25 Handpressen zu ersetzen, und dass trotz des Anlagekapitals von 15000 Gulden für jede Schnellpresse grosse Ersparnisse eintreten müssten. Sie machten dabei Brockhaus einen eigentümlichen Vorschlag, dass er seine Druckerei nach Oberzell verlegen sollte. Sie hätten noch Raum genug für eine Druckerei von 70 bis 80 Setzern und die nötigen Maschinen, welche durch Wasser betrieben werden könnten, auch enorme Trockenböden ständen zur Disposition. Da das Papier aus Bayern und Franken bezogen werden würde, könnten die Transportkosten demnach zum grossen Teil gespart werden, ja, sie selbst gingen mit der Idee um, eine englische Papiermaschine zu bauen, um gutes Papier zu liefern, „das deutsche Papier“, heisst es, „ist doch ein Schandartikel, womit kein englischer Buchhändler vor das Publikum zu kommen sich unterstehen dürfte“. Der Brief schliesst: „Was sagen Sie zu dieser seltenen Vereinigung von Mitteln für grosse litterarische Unternehmungen, in einen kleinen Raum zusammengedrängt? Vielleicht liesse sich zwischen unseren und Ihren Plänen, unseren und Ihren Mitteln eine Verbindung ausmitteln, die beiden Parteien vorteilhaft wäre“.

Hätte dieser Vorschlag einige Jahre früher gemacht werden können, wer weiss wozu das geführt haben würde. Jetzt antwortete Brockhaus und zwar erst nach einem halben Jahre, ablehnend, er wollte die Ausführung seiner Gedanken die Schnellpresse anzuschaffen seinem Sohne überlassen.

König liess trotzdem die Sache nicht fallen und machte im Juni 1819 den Vorschlag, „zu dessen Annehmen offenbar viel weniger Mut gehört, als Sie Ihren übrigen Unternehmungen nach zu urteilen besitzen“, auf ihre Kosten zwei Schnellpressen in Leipzig zu Brockhaus' ausschliesslichem Gebrauch aufzustellen, in Betrieb zu halten und nach 10 Jahren an Brockhaus unentgeltlich zu überlassen, wenn er auf 10 Jahre hinlängliche Beschäftigung garantieren wollte und zwar gegen um 25% wohlfeilere Druckpreise, als sie ihm in seiner eigenen Druckerei zu stehen kämen. Aber auch diesen Antrag lehnte Brockhaus ab, obwohl er nach seiner Angabe über fünfzig eigene und fremde Pressen beschäftigte. So kam es denn, dass Brockhaus' Offizin und Leipzig überhaupt erst 1826, drei Jahre nach Friedrich Arnolds Tod, in Besitz einer Schnellpresse kam, welche von den Arbeitern mit Demolierung bedroht wurde, die in Leipzig, wie anderswo, noch nicht einsehen gelernt hatten, dass sie hiermit nur gegen ihr eigenes Fleisch und Blut wüteten.

Der Verlag.