Neben dem Konversations-Lexikon pflegte Brockhaus mit besonderer Vorliebe den journalistischen Verlag, repräsentiert durch Okens „Isis“, „Zeitgenossen“, „Leipziger Kunstblatt“, „Hermes“ und „Litterarisches Wochenblatt“, die alle, mit Ausnahme des letzteren, welches noch als „Blätter für litterarische Unterhaltung“ besteht, kein langes Leben hatten. Auf seinen reichhaltigen sonstigen Verlag kann hier nicht näher eingegangen werden.
Tod Fr. Arn. Brockhaus'.
Die angestrengteste Geschäftsthätigkeit, die damit verbundenen Sorgen, zu welchen sich der bereits angedeutete ärgerliche, immer wieder auftauchende Streit von Dortmund her kam; seine fortwährenden Zensurkämpfe namentlich mit der preussischen Regierung; verdriessliche litterarische Händel, die durch sein heftiges Temperament genährt wurden; die Not, welche ihm Konkurrenz und Nachdruck des Lexikons verursachten, rieben seine Kräfte vor der Zeit auf, und brachten ihn um den ruhigen Genuss seines unermüdlichen Schaffens. Seine Gesundheit war untergraben. Obwohl im November 1822 dem Tode nahe und bereits allgemein totgesagt, erholte er sich wieder, unterlag jedoch einem neuen Anfall am 20. Aug. 1823[211].
Fr. Brockhaus † 15. Aug. 1865.
Das umfangreiche verwickelte Geschäft wurde von den jungen Söhnen Friedrich und Heinrich Brockhaus fortgesetzt. Friedrich hatte, wie schon erwähnt, die Leitung der Buchdruckerei übernommen, welche 1823 10 Holzpressen beschäftigte. Im Jahre 1833 wurde eine Stereotypie eingerichtet, 1836 die Walbaumsche Schriftgiesserei erworben (S. [283]). Friedrich war eifrig bemüht, der Buchdruckerei die Superiorität in dem in den vierziger Jahren aufblühenden Illustrationsdruck zu sichern, und scheute keine Opfer, um den Vergleich mit dem Auslande aushalten zu können. Die ersten epochemachenden illustrierten Werke: Vernets „Napoleon“, Menzels „Friedrich der Grosse“, die „Illustrirte Zeitung“ wurden unter der Leitung Friedr. Brockhaus' gedruckt, der sich am 1. Januar 1850 von dem Geschäft zurückzog.
H. Brockhaus * 4. Febr. 1804, † 15. Novbr. 1874.
Heinrich Brockhaus leitete die Buchhandlung. Er war ein mit einer ausserordentlichen Arbeitskraft und grossem Organisationstalent begabter Mann von unabhängiger Gesinnung. Am 4. Mai 1872 konnte er mit Genugthuung den hundertjährigen Geburtstag des Gründers begehen, denn das Etablissement war in seiner Art eines der vielseitigsten der Welt und in Wahrheit ein Universalgeschäft geworden, das mehr als 600 Personen beschäftigte. Der mit grösster Sorgfalt von Heinrich Brockhaus herausgegebene, 1148 Seiten starke Verlagskatalog verzeichnete damals bereits 2552 Artikel in 5851 Bänden. Als Teilnehmer waren die Söhne Heinrichs, Dr. Eduard und Rudolf Brockhaus, eingetreten. Heinrich Brockhaus, von der Universität Jena zum Ehrendoktor, von der Stadt Leipzig zum Ehrenbürger ernannt, starb am 15. November 1874[212].
Das Konversations-Lexikon bildet immer noch den Mittelpunkt des grossen Verlags und der Einfluss, welchen dieses jetzt in der 13. Auflage erschienene Werk auf die allgemeine Bildung geübt hat, ist ein grosser. Der Bilderatlas zum Konversations-Lexikon, 2. Aufl., ist ein Werk, wie es nur in einem Universalgeschäft, das über alle Arten der technischen Herstellungsmethoden gebietet, in solcher Weise durchgeführt werden konnte.
B. G. Teubner * 16. Juni 1784, † 21. Jan. 1856.
Benedictus Gotthelf Teubner, zu Grosskraussnigk in der Niederlausitz geboren, hatte noch vor Brockhaus sein später so bedeutendes Etablissement 1811 mit zwei Holzpressen angefangen. Bereits 1823 verband er mit seiner Buchdruckerei eine Buchhandlung, die sich durch ihren philologischen Verlag und korrekte Klassiker-Ausgaben einen grossen Ruf erwarb. Teubner war eifrigst für einen sorgsamen Druck bemüht, und hat in dieser Hinsicht wesentliche Verdienste um die Kunst, auch richtete er sein Streben auf eine, für damalige Zeit nicht gerade übliche, Eleganz in allen Accidenzarbeiten unter Verwendung des Guilloche- und Farbendruckes. Die von ihm herausgegebene Jubelschrift des Dr. K. Falkenstein zeigt, was das Geschäft auf den verschiedenen Feldern des graphischen Gebietes zu leisten vermochte. Sind diese Leistungen auch durch die der jüngeren Zeit überflügelt, so waren sie doch damals bedeutend und die Buchdruckerei Teubners gehörte mit zu den in der neuern Richtung tonangebenden. Bei seinem Tode waren sieben Schnellpressen in Gang, auch hatte er in Dresden eine Filiale gegründet. Die Nachfolger, seine Schwiegersöhne Ad. Rossbach und Albin Ackermann, verliessen die früher eingeschlagene Kultivierung des Accidenzdruckes und zeichneten sich durch ihren vortrefflichen Werk- und namentlich durch ihren Zeitungs-Illustrationsdruck aus. Der grossartige philologische Verlag, aus gegen 2000 Werken in über 3000 Bänden bestehend, wurde unter besonderer Leitung des jetzigen Geschäftsteilhabers Dr. Aug. Schmitt in kräftigster Weise fortgeführt. Ohne irgend eine typographische Prätension zu erheben sind unter diesen Werken unübertroffene und unübertreffliche Drucke, um einen unter vielen als Beispiel zu nennen Herodiani reliquiae in geradstehender griechischer Schrift. Die Offizin ist eine der am besten eingerichteten und grössten Deutschlands, sie arbeitet mit 35 Schnellpressen und gegen 400 Arbeitern, und druckt 18 Zeitschriften.