Karl Tauchnitz * 29. Okt. 1761, † 14. Jan. 1836.

In die Reihe derjenigen verdienten Männer, die als Bahnbrecher der deutschen Typographie zu bezeichnen sind, gehört als einer der ersten Karl Christoph Traugott Tauchnitz.

Tauchnitz war in Grossbardau bei Grimma geboren. Da er seiner Armut wegen nicht studieren konnte, ward er 1777 Buchdruckerlehrling und arbeitete später bei Unger in Berlin. 1792 kehrte er nach Leipzig zurück. Im Jahre 1797 gelang ihm der Ankauf einer kleinen Buchdruckerei. Das Geschäft gewann durch Tauchnitz' Fleiss und Akkuratesse an Ausdehnung. Bereits 1800 konnte er eine Schriftgiesserei und eine Buchhandlung mit der Buchdruckerei vereinigen. Seine Wirksamkeit muss namentlich von dem Standpunkte der Verbindung dieser Geschäfte zu einem ganz bestimmten Ziel beurteilt werden. Dies Ziel war die Herausgabe der griechischen und römischen Klassiker in guter Ausstattung, grösster Korrektheit und zu den billigsten Preisen.

Die Klassiker.

Im Jahre 1808 machte er damit den Anfang. Jedoch ohne das von Lord Stanhope eingeführte Stereotypverfahren, welches er durch den Engländer Watts gelernt hatte, wären die oben erwähnten Erfordernisse der Kollektion schwer zu erreichen gewesen.

In seinen Bemühungen um die Verbesserung der Antiqua, der griechischen und der orientalischen Schriften wurde er durch die Schriftgiesser J. G. Schelter und Matthes unterstützt.

Prachtwerke.

Seine Leistungen beschränkten sich jedoch nicht auf brauchbare billige Ausgaben; er lieferte auch Prachtdrucke ersten Ranges und wissenschaftliche Werke bedeutenden Umfanges. Zu den ersteren gehören sein Theokrit in Folio (1821); das Carmen Arabicum Szanicddini Helensis (1816), dessen Originaltext im orientalischen Stil in Gold und bunten Farben gedruckt ist; die Kuhnsche Hymne an König Friedr. August von Sachsen. Zu seinen bedeutendsten typographischen Leistungen zählen noch die arabische Ausgabe des Korans durch Flügel; die Fürstsche Bearbeitung der Buxtorffschen „Concordanz“, die stereotypierten hebräischen Bibeln von Hahn u. a.

K. Ch. Tauchnitz.

Mitten unter Plänen zu neuen wichtigen Unternehmungen rief ihn der Tod plötzlich ab. Sein Sohn Karl Christian Philipp, der eine ausgezeichnete Bildung genossen hatte, setzte das Geschäft, ohne demselben mit der vollen Neigung des Vaters zugethan zu sein, doch ganz im Sinne des Verstorbenen fort. Auf Veranlassung der Amerikanischen Mission in Syrien wurde eine neue arabische Schrift geschnitten, die sich dem Geschmack der Orientalen gut anpasst, jedoch im Satz grössere Schwierigkeiten bietet, als die ältere, mit welcher der Koran gedruckt wurde. Die Firma erlosch durch Verkauf der verschiedenen Geschäftsbranchen.