Ebenfalls als eine höchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte Papyros Ebers (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung der Färbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosblätter vor sich zu haben glaubt. Während die lithographische Nachbildung aus der Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Härtel gedruckt.
Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, † 1878.
Alphonse Devrient, der berühmten Künstlerfamilie Devrient angehörend, starb frühzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen 1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der Imprimerie royale in Paris in der sogenannten Chambre arabe unter der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war einer der tüchtigsten Typographen seiner Zeit. Der überlebende Chef Herm. Giesecke entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als Sohn des C. F. Giesecke.
Bibliographisches Institut.
Eine aus kleinen Anfängen rasch zu einem Weltgeschäft angewachsene Druck- und Verlagsanstalt ist das Bibliographische Institut.
Jos. Meyer * 9. Mai 1796, † 27. Juni 1856.
Im Jahre 1826 gründete Joseph Meyer in seiner Vaterstadt Gotha das Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit Stahlstichen illustrierte „Universum“ erreichte eine für damalige Zeit ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmässigkeit bestritten wurde, die aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse Konversations-Lexikon in 52 starken Bänden. J. Meyer war ein Mann von ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft, die er jedoch über alles Mass anstrengte, indem er neben der bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle Pläne verfolgte.
H. J. Meyer.
Sein Sohn Hermann Julius Meyer zog mit dem Institut 1874 nach Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch schon die äusseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31 Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das Geschäft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der Erreichung möglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten Grenzen für seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen Konversations-Lexikons wurden über 100000 Exemplare abgesetzt, daneben erlangte das kleine Lexikon in zwei Bänden eine grosse Popularität. Ein Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms „Tierleben“ in zehn prachtvoll illustrierten Bänden.