Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. August Petermann bildete sich das Geschäft, unterstützt durch die seit 1855 monatlich erscheinenden „Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt“, zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen für die gesamte Erdkunde aus.

Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf, alle graphischen Künste in ein äusserlich grosses Etablissement zu vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig selbständige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt brachten.

In Erfurt geben die vielen Gärtnereien und die Eisenbahndirektion zu einem lebhaften Accidenzgeschäft Veranlassung. Die bedeutenderen Offizinen sind die von Ohlenroth (6 Schp.), Fr. Bartholomäus und G. A. König. H. C. Bestehorn in Aschersleben beschäftigt 8 Schnellpressen und viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. Th. Müller in Nordhausen liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschäftspapiere u. dgl.

Die Cansteinsche Bibelanstalt.

In Halle befindet sich die altehrwürdige Waisenhausbuchhandlung und Buchdruckerei nebst der damit verbundenen v. Cansteinschen Bibelanstalt. Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer Heinr. Jul. Elers als Teil der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begründet[220]. Für eine Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons Carl Hildebrandt von Canstein durch gesammelte Beiträge gegründet. Bereits 1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v. Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt übernahm, die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt.

Eine neue Epoche für dieselbe begann mit der Gründung der Britischen Bibelanstalt 1804 (S. [99]) und der deutschen Hauptbibelgesellschaft. Im Jahre 1830 konnte die erste Schnellpresse aufgestellt und 1839 eine Stereotypie eingerichtet werden. Die Zahl der von 1712–1872 gedruckten Bibeln und Neuen Testamente betrug nahe an sechs Millionen. Seit dem Jahre 1860 sind die beiden Druckereien der Franckeschen Stiftungen im Betrieb vereinigt (12 Schp.) unter der sicheren Leitung des tüchtigen Buchdruckers C. Bobard. Einen besonderen Aufschwung nahm die Buchhandlung O. Bertram † 10. April 1876.seit 1858 unter der umsichtigen Direktion von Osw. Bertram, der sich auch um den Deutschen Buchdrucker-Verein sehr verdient gemacht hat. Sein Nachfolger ist der durch seine höchst verdienstlichen bibliopolischen Schriften bekannte Aug. Schürmann[221].

Carl August Schwetschke * 29. Sept. 1756.

Ein angesehenes Geschäft ist das Gebauer-Schwetschkesche. Carl August Schwetschke aus Glauchau kam 1783 als Faktor in die Buchhandlung der Witwe Hemmerde, welche ihn 1788 als Mitbesitzer aufnahm. Die Firma wurde nun Hemmerde & Schwetschke und, als des letzteren Sohn Carl Ferdinand im Jahre 1828 eintrat, Dr. Carl Gust. Schwetschke * 5. April 1805, † 5. Okt. 1881.Schwetschke & Sohn. Im Jahre 1820 war ihm die Gebauersche Buchhandlung und Buchdruckerei zugefallen, die er als besonderes Geschäft seit 1828 mit seinem jüngeren Sohne Dr. Carl Gustav Schwetschke fortführte.