Bereits am 30. September 1878 konnte die Familie eine dreifache Jubelfeier begehen, die des hundertjährigen Bestehens des Geschäfts, die fünfzigjährige der geschäftlichen Wirksamkeit Dr. Gustavs und die fünfundzwanzigjährige derjenigen seines Sohnes Carl Ferdinand. Zu den bedeutenden Unternehmungen der Firma gehören: Suidae Lexicon graece et latine und Freytagii Lexicon arabico latinum. Dr. G. Schwetschke erwarb sich einen bekannten und beliebten Namen durch seine litterarischen Arbeiten[222].
Die frühere Bedeutung Magdeburgs als Druckplatz ging bald verloren. Erst durch Ed. Hänel (S. [281]), dessen Etablissement noch heute besteht, gewann es wieder einen Namen. Zu nennen sind besonders das Etablissement von E. Baensch jun. (10 Schp.) und die Druckerei der Brüder Alexander und Robert Faber, welche die in ihrem Verlage erscheinende „Magdeburgische Zeitung“, die eine einflussreiche Stellung und eine grosse Verbreitung erreicht hat, mit 3 Rotationsmaschinen und 5 Schnellpressen druckt.
Fr. Vieweg † 25. Dez. 1835.
Ed. Vieweg * 15. Juli 1797, † 1. Dez. 1869.
Braunschweig hat, obwohl nicht durch besondere örtliche Verhältnisse begünstigt, eine ziemlich bedeutende Rolle in der deutschen Typographie gespielt. Hier wirkte die Firma Vieweg & Sohn, welche durch ihr Beispiel grossen Einfluss auf die Fortschritte in der deutschen Bücherausstattung geübt hat. Der Begründer des Geschäfts war Fr. Vieweg (1799), den Höhepunkt erreichte dasselbe nach dem Beitritt des Sohnes Hans Heinrich Eduard Vieweg im Jahre 1825. Er war zu Berlin geboren und hatte sich für seinen Beruf in Frankreich ausgebildet. In Paris schloss er eine für das Leben dauernde Freundschaft mit dem berühmten Chemiker Justus v. Liebig, die für Viewegs geschäftliche Wirksamkeit von grösstem Einfluss wurde. Aus England brachte er die erste Columbiapresse nach Deutschland und unternahm es, auf der Zorger Eisenhütte im Harz dergleichen Pressen bauen zu lassen (S. [316]).
Einfluss Viewegs.
Vieweg wurde ein Bahnbrecher für den guten typographischen Geschmack. Durch die Verwendung des instruktiven Holzschnittes in einem Maasse, wie früher nicht gekannt war, hat er ganz ausserordentlich zu der wahren Popularisierung der Wissenschaft, welche nicht mit dem oberflächlichen Naschen durch Hülfe zusammengeschriebener, sogenannter populärer Litteratur verwechselt werden darf, beigetragen. Seine Druckwerke, zu denen die eigenen Werkstätten die Schriften, die Holzschnitte und das Papier lieferten, waren ein Spiegelbild seiner eigenen Persönlichkeit. Alles durch und durch gentlemanlike: gediegenes Innere in einfach nobler Hülle. Das ganze Viewegsche Institut erinnert an die besten Werkstätten der früheren Blütezeit der Typographie mit ihren begeisterten, nach einem festen Ziele strebenden Leitern. Für das allgemeine Interesse des Buchgewerbes trat Vieweg stets mit Energie ein. Er unterlag in seinem 73. Jahre langen und schweren Leiden. Das Geschäft blüht fort und beschäftigt 14 Schnellpressen und 10 Handpressen.
G. Westermann * 23. Febr. 1810, † 7. Sept. 1869.
In ähnlicher Weise wie Vieweg wirkte George Westermann, welcher mit seiner 1838 gegründeten Buchhandlung 1845 eine Buchdruckerei vereinigte. Beide Geschäftszweige gelangten zur vollen Blüte und die Westermannschen Leistungen sind ebenso vorzüglich wie seine Offizin (15 Schp.) eine schön eingerichtete ist. Unter seinen Verlagsunternehmungen sind am bekanntesten seine nach amerikanischem Muster angelegten illustrierten „Westermanns Monatshefte“ (seit 1856). Durch E. Gäbler errichtete er in Leipzig eine chemitypische Anstalt, in welcher er seine äusserst billigen Kartenwerke herstellte. Von Langes Schulatlas ist bereits mehr als eine Million Exemplare verbreitet.
Unter den Druckanstalten Braunschweigs nimmt auch die von Julius Krampe (1 Rotm., 8 Schp.) einen angesehenen Platz ein. Die lithographische Anstalt der Firma H. Litolff (8 Schp., 5 Hdp.) druckt den bedeutenden Musikalien-Verlag der Firma.