Dr. H. Meyer.

An Braunschweig und die Firma Joh. Heinr. Meyer knüpft sich noch die Erinnerung an einen Mann, der von den deutschen Typographen stets hoch in Ehren gehalten zu werden verdient. Wie Vieweg auf dem praktischen Wege bahnbrechend wirkte, so Dr. Heinrich Meyer auf dem theoretischen durch sein „Journal für Buchdruckerkunst“. Dasselbe wurde 1834 begründet, zu einer Zeit des regsten Schaffens auf allen graphischen Gebieten. Kaum eine Woche verging, welche nicht eine Verbesserung, eine neue Schrift, eine neue Maschine u. dgl. brachte. Das Verdienst, alle diese Neuheiten nicht nur gewissenhaft registriert, beschrieben und abgebildet, sondern auch ihrem wahren Werte nach unparteiisch und nüchtern beurteilt zu haben, gehört Meyer. Fast immer war sein Urteil zutreffend und die Zukunft lehrte gewöhnlich, wie recht er gehabt hatte. In seiner Selbstlosigkeit war ihm die Sache alles; nie liess er sich von persönlichen Sympathien bestechen oder von Antipathien zu Ungerechtigkeiten hinreissen; sein Blatt blieb frei von allem Koteriewesen. In seinem Urteil war er mild, konnte jedoch auch, wenn es sein musste, gegen anmassende Dummheit derb, jedoch nie gehässig werden.

Dr. Meyer starb am 4. November 1863, schwerlich Feinde hinterlassend, wohl aber viele Freunde, die seinen Hingang als einen schweren Verlust für die deutsche Typographie betrauerten.

Nach seinem Tode litt das Blatt unter einem langen Schwanken in den redaktionellen Verhältnissen, bis im Herbst 1872 Theodor Goebel, an Kenntnissen und Sammelfleiss Meyer ebenbürtig, die Redaktion antrat und bis zum Herbst 1879 fortführte. Namentlich seine vielen ausführlichen und sachkundigen Ausstellungsberichte bieten wichtige Beiträge zur Kunde der Fortschritte auf allen graphischen Gebieten. Nach Goebels Rücktritt folgte wieder eine Periode der Unsicherheit, bis das Blatt im Herbst 1881 in den Verlag und in die Redaktion von Ferd. Schlotke in Hamburg überging.

Das „Journal für Buchdruckerkunst“ wird bald sein fünfzigjähriges Bestehen feiern können. Es bleibt die wichtigste Quelle für die Geschichte der typographischen Entwickelung in dem letzten halben Säkulum, in dessen Gewirr es einer späteren Generation schwer werden würde, sich ohne seine Hülfe zurechtzufinden.

Fußnoten:

[205] K. G. Hausius, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. — Dr. O. Hase, Breitkopf & Härtel, 1883.

[206] Fr. Chrysander, Abriss einer Geschichte des Musikdruckes von XV. bis zum XIX. Jahrhundert. In der Allg. Musik. Ztg., 1879, No. 11 u. ff. — Ant. Schmid, Ottaviano dei Petrucci da Fossombrone. Wien, 1845.

[207] Über diesen sowie über die sonstigen Musikdrucke Breitkopfs vergl. Lorck, „Der Buchhandel und die graphischen Künste auf der Kunstgewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1879“. Sep. Abdr. aus dem Börsenbl. f. d. d. B.