Der nun folgende rasche Aufschwung konnte nicht einmal durch den siebenjährigen Krieg gehemmt werden, da die grosse Zahl von Flugschriften und Neuigkeitsblättern eine lebendige geschäftliche Bewegung veranlasste. Nach dem Einzug der Russen in Berlin hielt der verschiedentlich kompromittierte Decker es jedoch für geraten, zeitweilig die Stadt zu verlassen.
Im Jahre 1763 wurde er alleiniger Inhaber des Geschäfts und von nun war sein Glück in stetem Wachsen. Er erhielt das Direktoriat der für das Lotto errichteten königlichen Druckerei mit einem Gehalt von 300 Thalern und nach erfolgtem günstigen Urteil der Akademie der Wissenschaften den Titel eines Hofbuchdruckers mit der Anwartschaft auf die klingenden Vorteile eines solchen. Die Versuche Deckers, diese Stellung sich erblich zu sichern, strandeten damals, ohne dass er deshalb den Gedanken daran aufgab.
Schriftgiesserei in Berlin.
Mit der Schriftgiesserei in Preussen war es noch schlecht bestellt. Seit Thurneyssers Anlauf (I, S. 152) war Berlin bis 1743 ohne Schriftgiesserei, und spätere Versuche waren nicht günstig abgelaufen. Das war für Decker ein günstiger Moment. Er kaufte die besten Baskervilleschen und Fournierschen Matern und liess einen gut geschulten Faktor kommen, versprach auf seine Kosten eine tüchtige Schriftgiesserei einzurichten und „alle französischen Bücher von Wert nachzudrucken, wodurch viel Geld dem Lande erhalten werden würde“. Dies schlug bei dem König, dem der Decker erblicher Hofbuchdrucker.nervus rerum stets wichtig war, durch, und am 4. Januar 1769 erhielt Decker die erbliche Würde eines Hofbuchdruckers, ausserdem ein Privilegium für die nachzudruckenden Bücher. Der König blieb Decker stets gewogen und gehörte als Schriftsteller zu dessen Kunden; eine solche war auch die Königin Elisabeth Christine, die sich mit der Herausgabe frommer Bücher beschäftigte.
Aufblühen des Verlagsgeschäfts.
Das frischere geistige Leben, welches seit dem Hubertusburger Frieden 1763 in Berlin pulsierte, unterliess nicht, seinen Einfluss auf das Deckersche Geschäft zu üben. Georg Jacob trat in Verbindung mit den vielen schriftstellerischen Berühmtheiten und fing nun 1769 selbst an zu verlegen, und zwar mit einem solchen Eifer, dass die Zahl seiner Verlagsartikel bald an 400 betrug. Damals begann auch allgemein eine bessere Ausstattung der Bücher; selten erschien ein solches ohne Zuthat bildlichen Schmuckes namentlich unter der Mitwirkung Chodowieckis. Die Druckerei war hierdurch und durch fremde Arbeiten so stark beschäftigt, dass Decker viele Aufträge auswärts ausführen lassen musste. Als Verleger ging er jährlich zweimal zur Messe nach Leipzig, wo er in freundschaftlichem, zugleich geschäftlichem Verkehr mit Bernhard Breitkopf, später mit dessen Sohn Immanuel, stand. Das Baseler Geschäft wurde von ihm und dem Bruder in Colmar der Direktion eines Geschäftsführers überlassen.
Gunst Friedrich Wilhelms II.
Nach dem Tode Friedrichs II. 1786 bestätigte der König Friedrich Wilhelm II. nicht allein die Privilegien Deckers, sondern er hatte ausserdem Decker und der Vossschen Buchhandlung das Recht gewährt, französische und ins Deutsche übersetzte Werke Friedrich des Grossen zu drucken unter der Bedingung, dass sie in einer besonderen, im königlichen Schlosse zu Potsdam dazu angewiesenen Lokalität hergestellt wurden. Decker stellte schleunigst zehn und dann noch weitere zehn Pressen auf und schon im Frühjahr 1789 waren die 25 Bände der Werke gedruckt. Der König war mit der raschen Ausführung so zufrieden, dass er Decker, als besonderen Beweis seiner Gnade, für sich und seine Erben für alle Zeiten zum Geheimen Ober-Hofbuchdrucker ernannte. Die Ausgabe genügte jedoch nicht in derselben Weise den Anforderungen der Kritik. Die Redaktion war eine des grossen Autors ganz unwürdige. Hierdurch und auf Grund von Nachdrucken wurde das Unternehmen für die Verleger ein verfehltes.
Letzte Jahre G. Jacobs I.
Das Ziel von Deckers Ehrgeiz war erreicht. Das Glück hatte ihn im Geschäft und in der Familie begünstigt. Vier Töchter verheirateten sich mit Männern von Fach, den Brüdern Christ. Spener und Joh. Carl Spener, dem Buchhändler H. A. Rottmann und dem berühmten Schriftgiesser Wilh. Haas d. ä. in Basel. Der Mann der fünften Tochter, Ph. Rosenstiel, war zwar Oberfinanzrat, spielte jedoch auch in der geschäftlichen Geschichte der Familie eine Rolle.