Gottl. Hartung * 12. Aug. 1747, † 19. Nov. 1797.
Nachdem sein ältester Sohn bereits 1759 gestorben war, übernahm 1763 der jüngere Gottlieb Leberecht Hartung das Geschäft, nach dessen Tode dirigierte es seine Witwe Sophie Charlotte mit Mut und Ausdauer, bis sie es 1817 ihrem Sohne Georg Friedrich Hartung übertragen konnte. Die von Hartung herausgegebene „Königsberger Zeitung“ ist eine der ältesten Deutschlands und ihre Geschichte lässt sich bis auf das Jahr 1640 verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmückende preussische Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808 hatte die Zeitung eine grössere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der Nähe um Königsberg geführt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen Gefahren ausgesetzt wurde.
Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Königsberg war, geht aus den Aufzeichnungen über die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehülfen und 28 Lehrlingen auf; da die Hartungsche Druckerei 20 Gehülfen und 7 Lehrlinge beschäftigte, so kommen auf sechs Druckereien 25 Gehülfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa 100 Personen.
Marienwerder.
Von Königsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. Kanter nach Marienwerder als Hofbuchdrucker berufen, um die königlichen Arbeiten zu liefern; die Offizin besteht noch heute Danzig.mit 5 Schnellpressen. In Danzig sind die bedeutendsten Druckanstalten die von Jul. Sauer und von A. W. Kafemann, letztere ist Stettin.zugleich mit Schriftgiesserei verbunden. Stettin hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige Firma H. G. Effenbart beging 1879 ihr 300jähriges Jubiläum. Noch um zwei Jahre älter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H. Hessenland. R. Grassmann, zugleich Schriftgiesserei, beschäftigt elf Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter.
Mecklenburg.
In Rostock besteht die Offizin von Adlers Erben (6 Schp.) seit 1635. Ausser in Rostock hat D. C. Hinstorff, bekannt als der Verleger und Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschäfte in Wismar (5 Schp.) und Ludwigslust. Die grösste Druckerei Schwerins ist die von W. Sandmeyer (8 Schp.).
Neuruppin kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma Gustav Kühn arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen Zahl von Hülfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden. Oehmigke & Riemschneider beschäftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter hauptsächlich mit den bekannten Bilderbogen.
Lübeck. Hamburg.
Lübeck verlor seine Bedeutung, die es in der früheren Periode eine zeitlang hatte, und auch Hamburg nimmt nicht eine solche Stellung ein, wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevölkerung nach, zweiten Stadt des Reiches erwarten könnte. Vielleicht wären seinerzeit die Bemühungen des Friedr. Andreas Perthes, Hamburg zu einem Emporium des buchhändlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen, wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet hätte[231]. Nur für den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in neuerer Zeit ist es Sitz einiger grösserer Verlagshandlungen geworden.