Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten.

Lessing als Buchdrucker.

Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter Deutschlands unter seinen Buchdruckern zählen. Eine zeitlang war nämlich Lessing Associé des Buchdruckereibesitzers Joh. Joach. Christ. Bode. Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt und Lessing trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius ein. Die „Hamburgische Dramaturgie“, die „Antiquarischen Briefe“ und die Abhandlung „Wie die Alten den Tod gebildet“ sind von den eigenen Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten Gelehrten mit lohnenderem Ertrage für Verfasser und Verleger zu veröffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, für das geplante „Deutsche Museum“ seine „Hermanns Schlacht“ und Gerstenbergs „Ugolino“ herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so dass der eigentümliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten für Lessing aufgelöst, dessen finanzielle Bedrängnisse, welche seinen Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzögerten, jedenfalls zum grössten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind.

Hamburger Offizinen.

Das grösste der heutigen Etablissements ist das von J. F. Richter (2 Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu nennen die Aktiengesellschaft Neue Börsenhalle, welche die „Börsenhalle“ und den „Correspondent“ druckt, Hermanns Erben (1 Rotm., 6 Schp.), Diederich & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. Adler verbindet mit Buchdruckerei und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschäft mit Lehrmitteln. F. Schlotke wurde schon in dem Kapitel über Maschinen erwähnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des „Journal für Buchdruckerkunst“ (S. [356]).

Das holsteinische Städtchen Itzehoe besitzt die bedeutende Buchdruckerei von G. J. Pfingsten, dessen weitverbreitete „Itzehoer Nachrichten“ namentlich vor und während der dänischen Kriege einen grossen Einfluss übten.

Wandsbeck.

G. W. Seitz * 6. Febr. 1826.

In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden Wandsbeck hat die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz aufgeschlagen. Gustav W. Seitz lernte erst als Setzer, versuchte sich dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er später in München seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft. Nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig Handpressen zu beschäftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in dem äussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von Süs, „Der erste Gedanke“, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz der Abmahnungen des Künstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollständigen Sieg. Unter seinen vielen Blättern ist der grosse Aquarelldruck „Auroras Triumphzug“ nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung.

Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch Schrauben verstellbaren Stäben angebracht war, durch stärkere Anspannung resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrössern oder zu verkleinern. In dieser veränderten Gestalt wurde dann das Bild auf einen Stein übertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grössen ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natürlich auf die ganz verhältnismässig richtige Vergrösserung oder Verkleinerung nach Höhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen ebenso viele Steine gehören, im vollkommensten Passen der Umränderungen hergestellt werden können.