Stenochromie.
In Wandsbeck übte um 1875 Otto Radde (durch Mühlmeister & Johler dort, später in Hamburg) ein eigentümliches Verfahren, um Öldruckbilder herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstückchen zu einem Mosaikbild gefügt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben mittels Blechschablonen in die nötigen Formen gebildeten Blöcke in einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein Öldruckbild, das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler Liepmann in Berlin lieferte 1842 einige recht hübsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung. Auch ein Engländer, J. M. Johnson, hatte es geübt, um Landkarten zu illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander übergehen müssen. Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie) ist es ganz still geworden.
Bremen.
Die Handelsstadt Bremen ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender Verlagsplatz geworden, deshalb beschränkten sich die Buchdruckereien hauptsächlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grössten Offizinen sind die von C. Schünemann (9 Schp., 120 Arb.), welche die „Bremer Nachrichten“ und die „Weser-Zeitung“ druckt, und Gebr. Hauschild, die hauptsächlich Accidenzarbeiten liefern.
Oldenburg.
In Oldenburg sind G. Stalling und die Schulzesche Hofbuchdruckerei, je mit 4 Schnellpressen, thätig. In dem kleinen Detmold besteht seit 1570 die Meyersche Hofbuchdruckerei, welche, jetzt mit Steindruckerei verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hält.
Hannover.
In Hannover findet eine rege Druckthätigkeit hauptsächlich für Zeitungs- und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz für die Herstellung von Handlungsbüchern geworden. Obenan in letzterer Richtung stehen J. C. König & Ebhardt mit 29 Schnellpressen, darunter 14 für mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12 Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hülfsmaschinen und einem Personal von 350 Köpfen. Auch Edler & Krische (10 Schp., 200 Pers.) und die Hannoversche Geschäftsbücherfabrik arbeiten in ähnlicher Richtung, während R. Leunis & Chapman die Handeltreibenden mit Tüten und ähnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschäftigen.
Die Gebr. Jänecke (als Farbenfabrik Jänecke & Schneemann S. [319]) gaben ihrem Druckgeschäft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.), sowohl als Zeitungsdruckerei („Hannöverscher Courier“) wie als Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner Klindworths Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die Schlütersche Buchdruckerei (2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die Hahnsche Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Königreichs in den Händen. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. — Die Universitätsstadt Göttingen hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung gehabt.
Westfalen und Rheinland.