Die Schriftgiesserei hat erst in neuester Zeit begonnen, einen Aufschwung in Stuttgart zu nehmen (S. [290]). Der Verlagsrichtung gemäss findet vorzugsweise die Produktion zu dekorativen Zwecken Beachtung und ist in dieser Richtung namentlich Otto Weisert thätig. Im Jahre 1882 siedelte der bekannte Schriftschneider Bauer sen. von Frankfurt nach Stuttgart über. Als Farbenfabrikanten sind Kast & Ehinger von Bedeutung, namentlich in bunten Farben.
Kunststellung Stuttgarts.
„Das eigenste, was Stuttgart besitzt, gehört nicht der schaffenden idealen Kunst, sondern der schmückenden, dekorierenden, vorab dem Kunstgewerbe. Wer die Kunst beobachten will, der begebe sich vor allem in die Werkstätte der Holzschneider, Lithographen, Zeichner, Buchbinder, der Holz- und Metallarbeiter, der Bauhandwerker. Die schwäbisch-industrielle Regsamkeit hat sich da mit einem Geschmack verbunden, der in Stuttgart, als einer Hauptstadt der deutschen Litteratur und des Buchhandels, von den verschiedensten Seiten angeregt wurde. Hierbei ist der unmittelbare Einfluss der Bücher-Illustration auf die Stuttgarter Kunstgewerbe durchaus nicht zu unterschätzen[236].“
Stuttgarter Verleger.
Unter den Werken, die einen ganz wesentlichen Einfluss in der angedeuteten Richtung geübt haben, steht obenan die „Gewerbehalle“ von J. Engelhorn. Die ersten Künstler und die besten Schriftsteller unterstützen diese, 1863 begonnene Zeitschrift. Ausser der stark verbreiteten deutschen Ausgabe existieren Ausgaben in Amerika, England, Italien, Frankreich, Böhmen, Spanien und Holland. Die „Gewerbehalle“ kann demnach als ein Weltblatt bezeichnet werden.
Ausserdem liess Engelhorn eine Anzahl der vorzüglichsten illustrierten Werke erscheinen: „Italien“ mit etwa 400 Illustrationen, das „Schweizerland“ von Kaden mit 450 Illustrationen, die „Kunstschätze Italiens“ von Karl v. Lützow, „Unser Jahrhundert“ von Otto von Leixner.
Ebner & Seubert gaben eine Reihe von wertvollen, prachtvoll geschmückten Werken über Kunst von Lübke, Burckhardt, Weiss, Schnaase, Kugler heraus. C. Witwer wendete seine Thätigkeit den Werken der Architektur zu.
Paul Neff benutzt für seinen grossartigen Verlag vorzugsweise den Lichtdruck als Illustrationsmittel. Obenan stehen „Die goldene Bibel“ und die „Klassiker der Malerei“. Sowohl hinsichtlich der Ausdehnung als was Ausführung betrifft, höchst bedeutende Werke sind: Ludw. Weisers „Bilderatlas zur Weltgeschichte“, welcher auf 146 Grossfolio-Tafeln über 5000 Darstellungen bringt; die „Denkmäler der Kunst“ mit gegen 200 Tafeln in Stahlstich; M. v. Schwinds „Die schöne Melusine“ und „Die sieben Raben“; A. Racinets „Das polychrome Ornament“, 100 Tafeln in Gold- und Farbendruck; „Die Kunst für alle“ von Gutekunst: das sind einige der Publikationen von Neff; alle anzuführen würde zu weit gehen.
W. Spemann.
Eine der jüngsten und jetzt bereits eine der umfangreichsten Verlagshandlungen ist die, 1873 von W. Spemann gegründete. Grossen Erfolg hatte Johannes Scherrs „Germania“; Jakob von Falkes „Hellas und Rom“; Bruno Buchers „Geschichte der technischen Künste“; die illustrierten Werke von Friedrich v. Hellwald u. a. Die „Kollektion Spemann“ eröffnete den Reigen der Mark-Kollektionen und in Kürschners „Deutscher National-Litteratur“ unterbot der Verleger sich selbst durch Lieferungen zu 50 Pf. Die Monatsschrift „Vom Fels zum Meer“ hat eine sehr bedeutende Verbreitung. Um das typographische Publikum machte sich Spemann verdient durch die Herausgabe des epochemachenden Werkes „Gutenberg“ von Dr. A. v. d. Linde in Wiesbaden.