In Darmstadt, das auch durch die Firmen Jonghaus & Venator, F. Lange und W. Leske für den Kunsthandel eine gewisse Bedeutung hatte, drucken C. F. Winter und L. C. Wittich; in Wiesbaden die L. Schellenbergsche Hofbuchdruckerei; in Cassel Gebr. Gotthelft und die Hof- und Waisenhausbuchdruckerei, je mit 5 Schnellpressen. In letzterer Stadt liefert Th. Fischer zu seiner Palaeontographica (ein Exemplar kostet über 2000 Mark) und anderen Werken tüchtige Abbildungen in lithographischem Farbendruck. Noch sei das Städtchen Allendorf a. d. Werra genannt, mit der Offizin Bodenheim & Co., die mit 10 Schnellpressen und 150 Arbeitern hauptsächlich Schreibhefte, Kapseln und dergleichen liefert.
Mainz.
Kein Jünger Gutenbergs hört den Namen Mainz nennen ohne den Gedanken an dessen frühere Herrlichkeit für die Buchdruckerkunst. Dass die Erfindung in Mainz geschah, war in Zufälligkeiten begründet und für die Entwickelung einer Kunst oder eines Gewerbes sind Verhältnisse mitwirkend, die zu regeln und zu ändern nicht in der Macht des Einzelnen liegt. Deshalb lässt sich, wenn das goldene Mainz nicht eine Gutenbergsche Hochschule geworden, darüber mit den Mainzern nicht rechten, wohl aber dürfte sie der Vorwurf treffen, dass sie nicht beizeiten an die Gründung eines Gutenberg-Museums gedacht und dass sie noch leichteren Kaufes, als die, allerdings sehr ungünstigen, Verhältnisse es notwendig machten, ihre typographischen Schätze dahingegeben haben, die jetzt hauptsächlich Zierden der Nationalbibliothek in Paris sind. Trotzdem wird Mainz ein Wallfahrtsort der Jünger Gutenbergs bleiben, um wenigstens das Standbild des Meisters zu schauen, das seit dem 14. August 1837 den Das Einweihungsfest des Monuments.Gutenbergsplatz schmückt. Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einem glänzenden Feste. Ein grossartiger Festzug von den aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst aus fremden Ländern zusammengeströmten Gästen begab sich erst nach dem Dom, wo der Bischof einen feierlichen Gottesdienst abhielt und wo ein Te Deum von Sigm. Neukomm gesungen wurde. Von dort bewegte sich der Zug nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Gutenberg-Vereins die Übergabe-Rede hielt, worauf die Enthüllung der Statue Thorwaldsens vollzogen wurde. Am zweiten Tag ward ein Volksfest, auf dem Rhein ein Fischerstechen, abends ein glänzender Fackelzug und im Schauspielhause ein Ball abgehalten. Am dritten Festtage fand eine Versammlung der Fachgenossen statt, um über die Säkularfeier zu beraten, deren Abhaltung für den 24. Juni 1840 endgültig bestimmt wurde. Thorwaldsen ward zum Ehrenbürger der Stadt erwählt und ihm ein kunstvolles Diplom in silberner Decke übersandt[240].
Offenbach a. M.
Mannheim.
Offenbach a. M. hat eine Bedeutung in der Geschichte der Lithographie durch die Verbindung Senefelders mit Joh. André, der die Erfindung erwarb, um sie für die Herstellung seines Musikalienverlags nutzbar zu machen. Mannheim hat 12 Buchdruckereien, darunter M. Hahn & Co. (7 Schp.) und die Mannheimer Vereinsbuchdruckerei (5 Schp.). In dem gegenüberliegenden Ludwigshafen Karlsruhe.befindet sich die Baursche Buchdruckerei (4 Schp.). In Karlsruhe mit 17 Offizinen ist die grösste die Ch. F. Müllersche Hofbuchdruckerei und lithographische Anstalt (8 Schp., 11 Hdp.). Tüchtiges liefern die G. Braunsche Hofbuchdruckerei und C. & G. F. W. Hasper * 31. Juli 1796, † 21. Juni 1871.Macklot. Hier wirkte auch Friedr. Wilhelm HASPER, bekannt durch sein „Handbuch der Buchdruckerkunst“ 1835, das jedoch nicht ganz den gehegten Erwartungen entsprach. Karlsruhe hatte zu der Zeit, wo die Stahlstich-Illustration florierte, eine ziemliche Anzahl von Kunstinstituten aufzuweisen, als W. Creuzbauer, F. Gutsch, T. B. Veit, J. Velten. Obwohl Universitätsstadt hat Heidelberg keinen bedeutenden Platz in der Geschichte der Buchdruckerkunst; A. Emmerling & Sohn beschäftigen 4 Schnellpressen.
Freiburg i. Br.
Nach erfolgter Einführung nahm die Buchdruckerkunst in Freiburg einen ziemlichen Aufschwung, verfiel jedoch unter der österreichischen Zensur und Jesuitenherrschaft. Erst mit Maria Theresia und Joseph II. begannen freundlichere Tage für die Presse. 1840 zählte Freiburg 7 Buchdruckereien und 6 Kupfer- und Steindruckereien. Besondere Bedeutung hat die Herdersche, 1801 gegründete Anstalt. Herder war der erste, der einen Bilderatlas zu dem Konversations-Lexikon, unter der Leitung des Geographen Heck, versuchte. Seine geographischen Verlagsartikel, namentlich die grossen Arbeiten Wörls; Kausslers „Schlachtenatlas“; J. Löwenbergs „Historisch-geographischer Atlas“ sind von Wichtigkeit. Auch Rottecks Weltgeschichte, die seinerzeit eine sehr grosse Verbreitung fand, erschien bei Herder, der ausserdem den katholischen Verlag sehr pflegte.
In Lahr hatte seit 1800 J. H. Geiger, jetzt M. Schauenburg, ein umfangreiches Etablissement (19 Schp., 11 Hdp., 150 Arb.). Allgemein bekannt ist der „Lahrer hinkende Bote“.