Elsass-Lothringen.

Metz besitzt neun Buchdruckereien und sieben lithographische Anstalten; die bedeutendste Offizin (5 Schp.) ist die nach dem Kriege von Gebr. Lang begründete. In Mülhausen arbeiteten für die dortigen Fabriken sieben Buchdruckereien und zwölf lithographische Anstalten, darunter W. Baader & Co. (6 Schp., 12 Hdp.). Das Strassburg gegenüber liegende Kehl war für eine kurze Zeit bekannt durch die Beaumarchaissche Druckerei (S. [184]). Weltberühmt Ad. Braun.ist die von Ad. Braun 1858 in Dornach gegründete photographische Anstalt. Braun begann seine Laufbahn als Musterzeichner in einer Kattundruckerei. Berühmt wurden seine Schweizer Landschaften; auch liess er später ganz Mitteleuropa bereisen, um Aufnahmen zu machen, welche 1862 bereits die Zahl 15000 erreicht hatten. Seit 1866 trieb er den Pigmentdruck im grossen Stil. Sämtliche Museen Europas wurden bereist und eine grosse Zahl der berühmtesten Handzeichnungen grosser Meister als treue Facsimiles reproduziert, ebenso die interessantesten Gemälde fast aller Galerien. Die Anstalt, welche in eine Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, besass bei Brauns Tod 1877 mehr als 60000 Negativplatten. In Colmar besteht noch das von Decker gegründete Geschäft unter der Firma C. Decker Witwe (S. [358]).

Strassburg.

Mit hoher Befriedigung wird jeder Deutsche in Strassburg, der „ersten Wiege“ der Druckkunst, welche injuria temporum Deutschland, wie es fast den Anschein hatte für immer, verloren gegangen war, einkehren, da er jetzt nicht nötig hat, deshalb die Grenzen des Reichs zu überschreiten. Wird auch der Politiker und Kriegsführer Metz mit derselben Freude als deutsch begrüssen, das Herz des Volkes und der Fachgenossen besonders hängt doch mehr an Strassburg.

Gutenbergdenkmal.

Mag das Denkmal Gutenbergs (I, S. 36) von Franzosen errichtet sein, mag das Buch, welches der Meister in der Hand hält, immerhin die französische Inschrift Et la lumière fût tragen, hoffentlich wird nie der, in einem Augenblicke hoher Aufregung ausgesprochene, Gedanke, das Monument, oder wenigstens die Inschrift, zu entfernen, wieder entstehen. Ist doch die Huldigung, dem deutschen Manne von einem grossen Volke dargebracht, keine Schande für ihn, der für alle Völker segensreich gewirkt hat, wie es auch das Relief des Denkmals versinnlicht, wo sich Repräsentanten aller Völker sammeln, um dem Meister enthusiastische Huldigung darzubringen. Das Denkmal steht, wo es hingehört, auf deutschem Grund und Boden, da mag es mit französischer Aufschrift stehen.

Strassburg unter Frankreich.

Mit dem Übergang Strassburgs in die Hände der Franzosen erlosch nach und nach das frische deutsche Kultur- und Kunstleben, das nicht durch eine französische Akademie ersetzt werden konnte. Doch hatte Strassburg in der Geschichte der graphischen Künste gute Namen zu verzeichnen: Berger-Levrault (S. [187]), Treuttel & Würtz (S. [186]), Gustav Silbermann (S. [205]), zu denen Engelmann Vater und Sohn aus Mülhausen sich gesellen (S. [206]). Jetzt zählt Strassburg 15 Buchdruckereien und 16 lithographische Anstalten mit 64 Schnellpressen und 98 Tret- und Handpressen. Die hervorragendste Druckanstalt bleibt die wennauch geteilte Offizin Berger-Levrault (S. [186]), jetzt eine Kommanditgesellschaft unter der Firma R. Schultz & Co. mit 22 Schnellpressen, 18 Handpressen und 250 Arbeitern. Die berühmte Silbermannsche Anstalt ging erst auf M. Schauenburg in Lahr, dann auf Silbermanns früheren Geschäftsführer R. Fischbach über (9 Schp., 7 Hdp.), ausserdem ist die Universitätsbuchdruckerei von J. H. E. Heitz (4 Schp.) zu nennen.