Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades, wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben. Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen.
Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. Alexander Mackie[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen. Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. Mackie fasste den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand eine ganze Familie von Guardians, sieben an der Zahl, die mit dem Manchester Guardian 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose, welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist, was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch. Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000 Buchstaben pro Woche garantiert.
Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt Crewe, gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000 Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft Mackie, Brewthal & Co., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für Buchhändler in London[26].
Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung: 1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2) im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen; 4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.
Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200 Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe geteilt.
Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten Matrix compositor (Matrizen-Setzer) des John E. Sweet & Daul (Paris 1867) und deren vielen Nachfolger als: D. Timiriazeff (London 1872), Jos. Liwtschack in Wilna (1876), Peterson in Wien, G. Hambruch in Elbing u. a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch, die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben — und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein — waren äusserst wenig empfehlend.
Fußnoten:
[5] J. M. Powell gab 1875: Select specimens of the best faces of the british Founders.
[6] Wie würde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen Extravaganzen fast aller Länder zumute geworden sein, wenn er sich schon bei den damaligen zaghaften Überschreitungen zu dem folgenden Ausbruch veranlasst fühlte: „O, ihr geheiligten Schatten von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was würdet ihr wohl zu den typographischen Monstruositäten heutiger Mode gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen? Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenüber wird die Nachwelt sich manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmöglich, dass die jetzt in der City von London gedruckten Erzeugnisse in späterer Zeit dem Meistbietenden als echt ägyptische Seltenheiten antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten Teil der Schätze von Sammlungen der Kenner bilden werden“.
[7] Specimen Book von: G. Bruces Son & Co.; Farmer, Little & Co.; James Conners Sons; Mac Kellar, Smiths & Jordan.