Zeitungslitteratur.

Mit der Zeitungslitteratur war es gar schlecht bestellt; nur die verflachenden, witzelnden und pikanten Theater-, Kunst-, Litteratur- und Modeblätter erfreuten sich eines bedeutenden Absatzes. Alle Zeitungen, mit Ausnahme der „Wiener Zeitung“ und des „Österreichischen Beobachters“, unterlagen einer Vorzensur und kamen dann erst in die Hände des bekannten Grafen v. Sedlnitzky und erfolgten aus diesen gewöhnlich in einem Zustande zurück, von dem man sich heute schwer eine Vorstellung wird machen können. Die willkürlichsten Änderungen wurden getroffen, die sich nicht bloss auf Politik und ernstere Interessen bezogen; es konnte auch einem Theaterkritiker, welcher erzählt hatte, wie sehr Fräulein X. missfallen, passieren, dass er in seiner Zeitung las, wie ausnehmend sie gefallen. Adlige Bösewichte gab es in Romanen und Theaterstücken gar nicht; sie mussten vorher ins Bürgerliche übersetzt werden.

J. T. Trattner * 1717, † 1798.

Unter solchen Verhältnissen ist es immer noch zu verwundern, dass Wien einige bedeutende Männer unter den Ausübern der Druckkunst aufzuweisen hat. Die populärste Erscheinung aus dieser Periode des Rückgangs ist Johann Thomas Trattner. Er gehört nicht zu denjenigen Koryphäen der Druckkunst, zu denen wir mit Ehrerbietung emporblicken. Seine Hauptthätigkeit war eine, welche der Staat zwar zuliess, die öffentliche Meinung und das Rechtsbewusstsein aber verurteilten: Trattner war ein Nachdrucker ersten Ranges[245].

Er war als Sohn eines armen Pulvermüllers zu Jahrmannsdorf unweit Güns geboren und frühzeitig verwaist. In seinem 18. Jahre kam er in die Lehre. Als Drucker erwarb er sich in der Offizin Johann von Gehlens (I., S. 144) etwas Geld und einige vermögende Gönner, die bereit waren, den jungen strebsamen Mann zu unterstützen. Seine Bemühungen, eine Konzession sich zu verschaffen, blieben jedoch vergeblich. Da fasste er den kühnen Entschluss, sich persönlich an die Kaiserin Maria Theresia zu wenden, die ihn gnädig beschied. Nun kaufte Trattner am 12. März 1748 die im Laufe der Zeit sehr herabgekommene Buchdruckerei der Frau Eva Schelgin. Den Ertrag seiner ersten Arbeit, ein vom Abte des Stiftes Mölk verfasstes Gebet, widmete er den Armen, wodurch er sich das Wohlwollen der Jesuiten erwarb, die nun alle ihre Arbeiten bei ihm drucken liessen, so dass er zeitweilig sechzehn Pressen beschäftigen konnte; sie aber regelmässig im Gange zu halten war eine schwere Aufgabe. Trattner legte sich deshalb auf das Nachdrucken der Werke der besten deutschen Autoren und machte sich hiermit eben so verhasst in Deutschland wie beliebt in Österreich, wo man den Nutzen der guten und billigen Bücher hatte. Es ging ganz wie in neuerer Zeit in Nordamerika: der durch den Nachdruck gebildete Geschmack des Publikums kam wenigstens später den einheimischen Autoren und Verlegern zu gute, welche den Boden vorbereitet fanden.

Der Trattnerhof.

Eine grosse Erweiterung seines Geschäfts (bis auf 34 Pressen) entstand, als ihm bei der Studienregelung im Jahre 1752 der Druck der sämtlichen Schul- und Lehrbücher übertragen wurde. Er legte Filialen seiner Druckerei in Pest, Triest, Innsbruck, Linz und Agram an, erwarb zwei Papierfabriken, gründete eine Schriftgiesserei, alle Arten von artistischen Anstalten und unterhielt 23 Bücherlager. Am „Graben“ erbaute er den schönen Trattnerhof, welcher seinen Wahlspruch „Labore et favore“ trug. Seine Bücher stattete er mit grosser Sorgfalt aus, so dass es von einem guten Druck hiess: „Der ist wie von Trattnern“. Bis in sein 78. Jahr war er der alleinige Leiter des Geschäfts und erlebte 1798 noch sein goldenes Jubiläum. Von zwei Frauen hatte er 21 Kinder, von denen jedoch nur zwei am Leben blieben. Vom Kaiser Franz war er 1764 in den Adelstand erhoben. Das Geschäft wurde nach Trattners Tod geteilt und ging auf verschiedene Personen über.

J. G. Trassler † 1816.

Neben Trattner nahm Josef Georg Trassler aus Wien eine bedeutende Stelle ein. Im Jahre 1779 erwarb er eine Buchdruckerei in Troppau, die bereits 1785 mit 25 Pressen arbeitete. Eine zweite Buchdruckerei errichtete er 1786 in Brünn; diese beschäftigte bis 60 Pressen. Eine dritte Offizin etablierte er 1795 in Krakau, die jedoch 1809 von den Polen demoliert wurde. Ausserdem hatte er noch verschiedene graphische Geschäfte und eine Buchhandlung.