Unter den älteren Buchdruckereien Wiens, die bis auf den heutigen Tag ihre Bedeutung behalten haben, ist diejenige, welche Josef Gerold 1775 von J. Kalliwoda erwarb. Der erstgenannte sowohl wie sein Sohn Karl Gerold erweiterten das Geschäft bedeutend. Durch den Druck mehrerer mathematischer und technischer Werke für das unter Prechtls Direktion gestellte Polytechnische Institut erwarb Gerold sich einen so guten Ruf, dass Cotta ihm den Druck der 20 Bände starken Prechtlschen Encyklopädie übertrug. Die gedrückten Pressverhältnisse veranlassten Gerold, sich weniger dem Verlag als dem Sortiment zu widmen. Aus den 1848 geänderten Zuständen zog jedoch auch die Geroldsche Offizin Nutzen und das Geschäft erweiterte sich in dem Besitz der in den Adelsstand erhobenen Söhne Karls: Friedrich und Moriz von Gerold ausserordentlich[247].

Pichlersche Buchdruckerei.

Die Pichlersche Buchdruckerei wurde durch den Druck der Werke Karoline Pichlers in Fachkreisen bekannt, jedoch mehr durch den Druck der 1838 in vier Blättern dreifarbig ausgeführten, in Typen gesetzten Post- und Reisekarte der österreichischen Monarchie von F. Raffelsberger[248]. Die Arbeiten derselben stehen weit über denen von Breitkopf und Haas, sind jedoch, wie diese, mehr auf Grund der mühsamen Arbeit bewundernswert als für die Praxis nutzbringend.

Anton Strauss.

L. Sommer.

Ein tüchtiger Buchdrucker war Anton Strauss, der aus geringen Anfängen die Zahl seiner Pressen auf 20 brachte. Nach seinem Tode ging das Geschäft auf Leopold Sommer über, der grossen Schwung hineinbrachte und 1848 an Zeitungen und Zeitschriften allein zwanzig druckte. Er war auch der erste, der in Österreich eine politische Zeitung gründete, welche wirklich diesen Namen verdiente, die unter E. v. Schwarzers Leitung unternommene „Österreichische Zeitung“.

M. Salzer * 1799, † 4. Jan. 1878.

Matthäus Salzer, Sohn des Kaspar Salzer, der zu den Zeiten Josephs II. Buchhändler und Buchdrucker war, lernte erst als Sattler, trat aber bald in das Papiergeschäft seines Bruders Franz und wurde später Leiter der Papierhandlung seines verstorbenen zweiten Bruders Jakob, dann durch Verheiratung mit dessen Witwe Besitzer des Geschäfts. Nach und nach erwarb er die Papiermühlen in Wiener-Neustadt, Ebenfurth und Stettersdorf. 1866 kaufte er die Überreuthersche Buchdruckerei und beschäftigte 11 Schnellpressen und 150 Arbeiter, namentlich mit Aufträgen seitens der Eisenbahnen und ähnlicher Anstalten. Im Jahre 1874 feierte Salzer sein goldenes Geschäftsjubiläum.

J. V. Degen * 11. März 1763, † 5. Okt. 1827.