Als ein Stern in der langen Nacht der österreichischen Typographie leuchtet Josef Vincenz Degen aus Graz. Er studierte dort und in Wien, widmete sich dann dem Buchhandel, kaufte 1800 die vorzüglich eingerichtete Albertische Buchdruckerei und errichtete zugleich eine Schriftgiesserei. Durch die Tüchtigkeit seiner Leistungen erwarb er sich bald ein bedeutendes Renommé. Im Jahre 1804 richtete er die K. K. Hof- und Staats-Aërial-Druckerei ein und brachte sie auf einen blühenden Stand. Vertragsmässig arbeitete diese Anstalt nur für Behörden. Eigentum des Staates wurde sie erst im Jahre 1814. Degen, der in den Adelsstand als Edler von Elsenau erhoben worden war, wurde zum Direktor der nunmehrigen Staatsdruckerei ernannt, die sich durch ihre Arbeiten in vorteilhaftester Weise auszeichnete.
Staatsdruckerei.
Anders ward es nach Degens Tod unter der Direktion J. A. von Wohlfahrts. Aus übertriebener Sparsamkeit liess man die Anstalt verfallen und als Wohlfarth 1840 in den Ruhestand versetzt wurde, war es so weit gekommen, dass die Staatsbehörden sich mit ihren Aufträgen an Privatdruckereien wandten.
Wie es in der Staatsdruckerei aussah, so war es auch in den anderen Offizinen mit Ausnahme der einzelnen erwähnten und vielleicht noch einiger weniger anderen.
Der Buchhandel.
Der Buchhandel, der sich unter Maria Theresia sehr entwickelt hatte, verfiel unter Joseph II. trotz der milden Zensur. Man zersplitterte die Kräfte meist in Broschürenlitteratur, durch welche sich eine Reihe von Winkeldruckereien, die jedoch wieder mit dem Tode des Kaisers verschwanden, nährte. Von den bedeutendsten Werken dieser Periode seien noch erwähnt: Jacquins Historia stirpium americanarum; Hortus Vindebonensis; Observationes botanicæ mit 150 Kupfern; Icones plantarum rariorum mit 649 Kupfern; Flora austriaca mit 500 kolorierten Kupfern, Herrgotts Monumenta Aug. Austriacæ in Grossfolio mit vielen Tafeln, die von den Geistlichen des Stiftes St. Blasien gedruckt wurden; Maninskys grossartiges „Orientalisches Wörterbuch“ u. a.
Als der Regenerator der österreichischen Buchdruckerei, die in der jüngeren Zeit so enorme Fortschritte gemacht hat, muss Auer betrachtet werden.
Al. Auer * 11. Mai 1813, † 10. Juli 1869.
Alois Auer war zu Wels in Österreich als der Sohn eines armen Traunflössers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmöglich war, seinem Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach vollendeter Tagesarbeit benutzte er die späten Abendstunden, um sich gründliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung seiner fünfjährigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe für den Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der französischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prüfung in der französischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen Sprache an der Universität zu Wien mit günstigem Resultat unterwerfen konnte. Gleichzeitig bestand er die Prüfung in der Erziehungskunde. Sein guter Ruf verschaffte ihm bald eine öffentliche Anstellung in Linz als Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollständigkeit fast allen Ansprüchen genügte, und benutzte diese Sammlung, um die Raumverhältnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese Art entstand sein „typometrisches System“, über dessen praktischen Wert sich allerdings nicht viel sagen lässt.