Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren, zunächst der französischen und italienischen Sprache, und indem er nach gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte, keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine solche Aufgabe zu lösen reichten aber Metternich und Auer.die Kräfte eines einzigen Menschen nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in Österreich noch allmächtigen Fürsten Metternich für seine Sache zu gewinnen.
Nach Verlauf von einem Monat überreichte ihm Auer in Wien einen Plan zur Gründung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer „Zentral-Verlagsstätte Deutschlands in Wien“. Während dieser Plan die verschiedenen Staatsbehörden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England, Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es seiner Phantasie vorschwebte.
Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die Personalverhältnisse und der Geschäftsgang der Anstalt geregelt werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch zweckmässigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen für Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik, Photographie, Chemitypie und später für Naturselbstdruck errichtet. Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der Schnellpressen und zur Heizung sämtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner gründete Auer unter dem Personal eine Kranken- und Unterstützungskasse, ordnete das Lehrlingswesen und führte einen Unterricht für die Zöglinge in den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch, Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch), Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten.
Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860 beschäftigte sie schon über 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen, 50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000 Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der höchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben und 24 Orden zeugen dafür, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu verschaffen, nicht übel verstanden hat.
Die Erfindungen Auers.
Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die öfters, und wohl nicht mit Unrecht, ihm nicht für voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis kein rechtes Glück. Diejenige, die am meisten von sich reden machte, war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin, von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen, die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes Werk, Physiotypia plantarum, wurde in Angriff genommen und auf den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch für die Praxis keinen grossen Wert.
Die „Endlose“.
Eine zweite „Erfindung“ war der Druck vom endlosen Papier. Der Gedanke, den Papierbrei der Papiermaschine an dessen oberen Ende zuzuführen und von dem anderen Ende in die Schnellpresse zu leiten, so dass er aus dieser als gedruckter Bogen herauskam, musste für einen so elastischen Geist wie Auer grosse Anziehungskraft haben. Er brachte ihn auch in seiner Weise, d. h. blendend, zur Ausführung; für die Praxis war der Nutzen ein geringer. Das Papier wurde in eine gewöhnliche Schnellpresse geführt, nach dem Schöndruck durch Mechanismus zerschnitten und die Bogen durch den Hansenschen Ausleger ausgeführt. Der staunende Beschauer ahnte in den seltensten Fällen, dass der Widerdruck auf gewöhnliche Weise, auf einer anderen Schnellpresse besorgt werden musste, und konnte nicht wissen, dass der Lohn eines Anlegers oder einer Anlegerin das einzige war, was hätte gespart werden können, wenn nicht dieser Gewinn durch die Kosten des ganzen Apparates weit überwogen worden wäre.
Maispapier.
Ebensowenig Glück sollte Auer mit seiner Maispapierfabrikation haben[252]. Er brachte zwar eine Ausstellung zustande, in welcher nicht allein verschiedene Sorten Papier, sondern auch manche der Gegenstände zu sehen waren, welche Chinesen und Japanesen aus Papierstoff fabrizieren. Damit blieb aber auch diese Sache ruhen.