Prachtwerke.
Unter den Erscheinungen des Museums behaupten Teirichs „Blätter für Kunstgewerbe“ einen hervorragenden Platz. Die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst brachte eine Reihe brillanter Publikationen; den grössten Einfluss übt sie jedoch durch ihre Zeitschrift „Die graphischen Künste“, welche nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch ihre vorzügliche technisch-artistische Ausführung belehrend und fördernd wirkt.
Unter der Ägide des Vorstandes der K. K. Kämmerei, des kunstsinnigen Grafen v. Crenneville, erschien ebenfalls eine Anzahl der schönsten Prachtwerke. „Die Kunstwerke der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses“ (1870–1873), „Schloss Schönbrunn“ (1875), „Der kaiserliche Thiergarten“ (1876), „Laxenburg“ (1877). In neuester Zeit kommt zu diesen Erscheinungen das „Jahrbuch der künstlerischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses“, zu welchem als Beilagen der „Frydal“, der „Theuerdank“, der „Weisskunig“, der „Triumph“, die „Ehrenpforte“, die „Heiligen aus der Familie des Kaisers“ gegeben werden, alles Werke, die von dem Kaiser Maximilian veranlasst oder vorbereitet waren und zu welchen die Originale der grossen Zeichenkünstler von damals noch vorhanden sind.
Buchdrucker-Verein.
Aber auch die Buchdrucker selbst haben als Korporation die Hände nicht in den Schoss gelegt. Der unter vielen Opfern im Jahre 1874 gegründete Buchdrucker-Verein hatte zwar zunächst die materiellen und sozialen Verhältnisse des Geschäfts vor Augen, liess jedoch die Fachzeitschrift „Österreichische Buchdrucker-Zeitung“ erscheinen, die bestrebt war, nicht nur für die obgedachten Interessen, sondern auch für die technische Bildung zu wirken. Der Verein löste sich zwar im Jahre 1880 wieder auf, die Zeitung besteht jedoch fort im Besitz des „Graphischen Klubs“, der ausserdem durch Vorträge, Ausstellungen und technische Diskussionen anzuregen sucht. Auch das Gehülfenblatt „Vorwärts“ folgt dem Beispiel des „Correspondent“ und widmet seine Aufmerksamkeit jetzt nicht nur den sozialen Interessen, sondern auch der Technik und der Geschichte.
G. Gistel * 16. Okt. 1825, † 10. Mai 1883.
Durch die Bemühungen des Vereins ist auch seit 1874 eine Fachschule errichtet, von der gute Erfolge zu erwarten sind. Die Seele dieser Vereinsbestrebungen ist namentlich G. Gistel gewesen. Auch um den Unterstützungs-Verein der Buchdrucker und Schriftgiesser Niederösterreichs und die Pensionskasse für Faktoren und deren Witwen hatte Gistel grosse Verdienste, war auch bei allen Tarifverhandlungen, bei der Säkularfeier, kurz bei jeder Gelegenheit, wo die Buchdrucker vereinigt auftraten, bereit, seine Kräfte dem Allgemeinen rückhaltslos zu opfern.
L. C. Zamarski.
An Bedeutung der Staatsdruckerei am nächsten stehend ist die Offizin L. C. Zamarski (früher H. Engel & Sohn und L. C. Zamarski), die namentlich in der Gründerperiode eine erstaunliche Masse von Wertpapieren druckte. Die Anstalt, welche unter der Leitung von A. Pietzsch sich vortrefflich bewährt hat, wurde 1881 an die Papierfabrik Steyermühl um 800000 Gulden verkauft und mit einem Kapital von 3700000 Gulden in eine Aktiengesellschaft umgeformt. Es werden in der Anstalt die „Neue Illustrirte Zeitung“, das „Wiener Tageblatt“, die „Vorstadt-Zeitung“ und die „Deutsche Zeitung“ gedruckt. Vorzüglich sind ihre, unter Leitung von A. Frantz hergestellten Heliographien. Die Offizin arbeitet mit 28 Schnellpressen und beschäftigt gegen 350 Personen. Engels Erben befassen sich namentlich mit lithographischen Arbeiten; sie lieferten u. a. die japanischen Postmarken.