R. v. Waldheim.

Ein vielseitiges, grosses Institut ist ebenfalls die Verlagsbuchhandlung und Artistische Anstalt von R. v. Waldheim (22 Schp., 25 Hdp. und gegen 250 Arbeiter), die eine bedeutende Zahl von illustrierten Werken namentlich technischen Inhalts herausgiebt und vielen technischen, kriegswissenschaftlichen oder in das Eisenbahnwesen einschlagenden Zeitschriften, wir nennen nur Teirichs „Blätter für das Kunstgewerbe“ und die „Allgemeine Bauzeitung“, druckt, verlegt oder debitiert, auch viele Accidenzien liefert.

C. Fromme.

Carl Fromme zeichnet sich besonders durch seine geschmackvollen und korrekten Accidenzarbeiten aus. Eine Spezialität, die er mit Virtuosität betreibt, ist der Kalenderdruck. Typographische Kraftstücke Frommes sind die Bilderreihe der Regenten Österreichs und die Stammtafel der Zisterzienser-Klöster. Diese zehn Meter lange Tafel besteht aus 108 Formen, in zwei Farben ausgeführt. Der Druck und die Zurichtung sind so vorzüglich, dass die Zusammensetzung dem Auge vollständig unbemerkbar ist.

Rollinger & Mössner.

Die Arbeiten von Rollinger & Mössner sowohl im Accidenz- als im Werkdruck gehören mit zu den vollendetsten der neueren Typographie. Die Genannten zählen unter die nicht zu zahlreichen Buchdrucker, welche nichts für unbedeutend halten und eben deshalb Mustergiltiges liefern, z. B. die „Geschichtsquellen der Stadt Wien“. Zu derselben Klasse, jedoch meist in anderer Richtung A. Holzhausen.arbeitend, gehört Adolf Holzhausen, dessen Offizin an orientalischen Schriften sehr reich ist und dessen Drucke denen der Staatsdruckerei vollkommen ebenbürtig sind. Er lieferte den Druck des oben erwähnten Jahrbuchs der kaiserlichen Sammlungen und Albrecht Dürer würde gewiss den „Ansichten aus der Presse“ von seinen und der gleichzeitigen Meister Arbeiten sein imprimatur G. Gistel.
Fr. Jasper.nicht verweigert haben. Zu den strebsamen Buchdruckern der jüngsten Zeit gehören der erwähnte G. Gistel und Fr. Jasper. Letzterer druckte die Festgabe zu dem 400jährigen Jubiläum, und liefert sehr gute Illustrationsdrucke.

H. Reiss * 28. Aug. 1799.

Einen ganz besonderen Ruf hat sich Wien durch seinen xylographischen Farbendruck erworben. Der erste, der sich durch diesen auszeichnete, war Heinrich Reiss, aus einer Familie, die von altersher eine Buchdruckerei besass, welche er, nachdem er erst verschiedene Reisen gemacht hatte, 1828 übernahm. 1850 folgte er jedoch einem Rufe der Staatsdruckerei, leitete später die Buchdruckerei von Zamarski und gab sich seit 1857 ganz der Kunstdruckerei hin. Seine Hauptarbeit, an der er 23 Jahre lang gearbeitet hatte, ist das Missale Romanum mit etwa 90 Miniaturen von H. Knöfler. Zu der Herstellung eines Bildes wurden bis zu 15 Platten verwendet. Vorzüglich sind die zwei grossen Titelblätter, das Abendmahl und Christus am Kreuze. Der Text bildet einen Folioband von mehr als 700 zweispaltigen Seiten. Die Grundschrift ist eine fette Gothisch, zu der besondere Initialen geschnitten wurden. Das Papier, ein geripptes Büttenpapier, ist jedoch, wie auch der Textdruck, von sehr ungleicher, mitunter sogar geringer Qualität. Aus diesem Grunde fehlt, trotz der ausserordentlichen Aufopferung seitens Reiss' und der Vorzüglichkeit des Bilderdruckes, dem Werk, als Ganzes betrachtet, doch gar vieles, um als ein typographisches Denkmal ersten Ranges zu gelten. Derartige Werke dürfen nicht Not leiden und müssen in Händen eines Herausgebers sein, dem es möglich ist, bis ans Ende ruhig auszuhalten. Deshalb aber nicht weniger Ehre dem Andenken eines echten Jüngers Gutenbergs. Sein Geschäft übernahm Ludw. Lott, vorher als technischer Leiter der „Alten Presse“ und als Einführer der „Endlosen“ auf dem Kontinent bekannt. Er wirkte im Geiste seines Vorgängers fort und seine Arbeiten fanden in England und Amerika allgemeine Bewunderung. Seine Drucke auf Blech sind ebenfalls vortrefflich.

Prag.

Eine ziemlich bedeutende Thätigkeit entwickeln in Prag 33 Buchdruckereien und 30 lithographische Anstalten mit ihren 114 typographischen und 25 lithographischen Schnellpressen. Die bedeutendste Offizin ist die von A. Haase (S. [290]) mit 21 Schnellpressen und 18 Handpressen. Ign. Fuchs (11 Schp., 19 Tr.- u. Hdp.) liefert sehr gute lithographische Arbeiten, auch J. Farsky bringt Tüchtiges in dieser Richtung. Dr. Ed. Grégrs Offizin arbeitet mit Rotationsmaschine und 5 Schnellpressen. H. Mercy (9 Schp.) druckt namentlich Werke. Die Buchdruckerei der K. K. Statthalterei beschäftigt 7, die Buchdruckerei für Politik 8, J. Otto 7, B. Styblo 6, C. Bellmann 7 Schnellpressen.