Reichenberg.
Die Fabrikstadt Reichenberg besitzt eine grossartige graphische Anstalt, die der Gebr. Stiepel, welche durch 13 Schnellpressen und 20 Tret- und Handpressen die zahlreichen Fabriken mit Etiketten, Geschäftskarten, Rechnungsformularen etc. versieht. Tetschen.Das kleine Tetschen an der Elbe hat auch eine bedeutende Druckanstalt aufzuweisen, die von F. W. Stopp, welche (mit 7 Schp., 7 Hdp.) hauptsächlich für lithographische Arbeiten eingerichtet Teschen.ist. In Teschen in Österr. Schlesien befindet sich die Offizin von K. Prochaska (10 Schp.), eine der besten Provinzdruckereien Österreichs. Sie wurde 1806 von Thomas Prochaska gegründet.
Brünn.
Lemberg.
In Brünn arbeiten hauptsächlich für Lokalbedürfnisse W. Burkart (7 Schp.), Buschak & Irrgang (4 Schp.), Carl Winiker (5 Schp.), R. M. Rohrer (6 Schp.). Galizien bietet nur wenig von Interesse. In Krakau, einst von Bedeutung in der typographischen Geschichte, druckt die Offizin des Czas (5 Schp.) und die Buchdruckerei der Akademie der Wissenschaften H. Lisicki & Co., in Lemberg E. Winiarz (4 Schp.).
Graz.
Unter den Offizinen des südlichen Österreichs ist die Aktiendruckerei Leykam-Josefsthal (15 Schp., 16 Tr.- u. Hdp.) in Graz eine weit verzweigte graphische Anstalt, die manches Gute geliefert hat. Die Grazer „Post“ wurde 1882 an eine zweite Gesellschaft Leykam für gegen 1100000 M. verkauft. Die Gesellschaft Styria und die Gutenberg-Druckerei in Graz beschäftigen je 5 Schnellpressen. In Innsbruck verfolgt die Wagnersche Buchdruckerei eine wissenschaftliche Richtung. In Linz wirken A. Eurich und J. Wimmer. Die älteste Druckerei Österreichs besitzt Klagenfurt. Hier etablierte sich Ferd. v. Kleinmayr 1548. Sein Nachfolger gründete 1777 die „Klagenfurter Zeitung“. In Laibach feierte die Offizin von J. v. Kleinmayr & F. Bamberg (4 Schp.) 1882 ihr Triest.100jähriges Jubiläum. In Triest hat sich die Buchdruckerei des Österr.-Ungar. Lloyd als eine tüchtige Vertreterin der Kunst bewiesen und wirkte auch früher als bedeutende Verlegerin illustrierter Werke.
Von der Holzschneidekunst in Wien und den Meistern, welche diese förderten J. G. Prestel, Blasius Höfel, Friedr. v. Exter, H. Knöfler u. a., wurde bereits (S. [300]) berichtet, auch fanden die Paul Pretzsch * 1808, † 28. Aug. 1873.wichtigen Erfindungen von Paul Pretzsch (S. [14]) Erwähnung. Je weniger das verdienstvolle Wirken dieses Mannes vom Glück begünstigt war und je öfter der Versuch gemacht wurde, seine Erfinderehre zu schädigen, namentlich seitens englischer Erfinder, um so mehr gebietet es die Pflicht, hier seiner mit einigen Worten noch zu gedenken.
Pretzsch war als Sohn eines Goldarbeiters in Wien geboren, lernte dort die Buchdruckerkunst und trat nach längerem Aufenthalt im Auslande in den Dienst der K. K. Hof- und Staatsdruckerei, welche er 1851 auf der Londoner Weltausstellung vertrat. Dort erhielt er auf Grund der von ihm ausgestellten Photographien eine Prämie und nun entstand in ihm der Gedanke, Photographien druckbar zu machen, weshalb er sein Engagement bei der Staatsdruckerei aufgab, 1854 wieder nach London ging und dort neun Jahre blieb, um seine Pläne zur Ausführung zu bringen. Seine Erfindung, Tiefdruckplatten von Photographien herzustellen, nannte er Photogalvanographie und sie wurde einer Patent-Photo-Galvanographic-Society zur Ausbeutung übergeben, welche 1856 fünf Hefte eines Werkes in Grossfolio unter dem Titel Photographic Art Treasures herausgab. Nach etwa zweijährigem Bestehen löste sich jedoch die Gesellschaft auf und Pretzsch war wieder auf sich selbst angewiesen, während Fox Talbot, der die Erfindung gemacht hatte, durch Ätzung Photographien druckbar zu machen, ihn auf Grund seines Patentes verfolgte, wennauch ohne Resultat, da Pretzschs Verfahren sich nicht auf Ätzen gründete.
Nach der Weltausstellung 1862 kehrte Pretzsch nach Wien zurück und war längere Zeit schwer leidend, so dass er erst 1864 seine Thätigkeit wieder aufnehmen konnte. Diese richtete sich nun vornehmlich auf Herstellung von Hochdruckplatten und nach mannigfachen, mühsamen und kostspieligen Versuchen gelang ihm auch die Fertigstellung solcher, von welchen Proben 1873 in Wien ausgestellt waren.