In Deutschland gilt (S. [295]) der Däne Lauritz Brandt allgemein als Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der Insel Fühnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier führte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein Patent an Eduard Hänel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse pekuniäre Vorteile noch Ehre, denn Hänel verschwieg seinen Namen, sodass bald dieser selbst, bald Steiner in München als Erfinder galt. Brandt verliess Deutschland und ging nach Dänemark, wo er mehrere Maschinen für die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches später auf die Firma Norstedt & Söner überging. Nach einem etwa vierjährigen Aufenthalt in Europa ging Brandt nach New-York zurück und gründete dort ein Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859 zog er sich ins Privatleben zurück und übergab sein Etablissement an N. Erlandsen, der, ebenfalls ein Däne, als armer Junge von seinen Eltern aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprüche machte David Bruce sein Erfindungsrecht geltend (S. [39]).
Die Setzmaschine.
Chr. Sörensen * 7. Mai 1818, † 30. Jan. 1861.
Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war, so muss doch Christian Sörensen[262] in Kopenhagen als der Erfinder betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfähige Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen späteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde.
Sörensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte nur in den Abendstunden einen notdürftigen Unterricht geniessen. Durch einen Zufall kam er später in Setzerlehre.
Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er ein Patent für eine Setz- und Ablegemaschine und eine Unterstützung zur Ausführung eines Modells. Während Sörensen hiermit noch beschäftigt war, ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht! Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber — die Maschine erhielt nicht einmal eine ehrenvolle Erwähnung.
Das war ein harter Schlag für Sörensen, und seine Gönner fingen nun an, sich von ihm zurückzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der Publizist J. F. Gjödwad, Herausgeber der Zeitung Fädrelandet, und bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins Leben. Der Besteller war liberal genug, Erfolge in Paris.zu gestatten, dass sie erst in Paris ausgestellt würde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der höchsten Belohnung würdig befunden, welche für diejenigen Männer bestimmt war, „die sich um die Gesellschaft besonders verdient gemacht“ hatten.
Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine, und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollständigt, die auch sehr schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch.
Not, Sorge und Tod.