Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem südlichen, nicht sehr bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten von Strassen begrenzten Flächenraum, auf welchem ausser der eigentlichen Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich befinden.

Zum Schutze der Anstalt hält eine Wache von 36 Mann die verschiedenen Zugänge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebäude sind durchweg massiv und feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt, welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte und der Kontrolle sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehülfen angestellt. Sehr zu loben ist, dass die mächtige Anstalt nur auf die Bedürfnisse des Staats beschränkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Ländern zu entschuldigen wäre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte.

Verschiedene Firmen.

Die Universitätsbuchdruckerei wurde 1755 gegründet. 1871 beschäftigte sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich für armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 Joachim Lazareff. Unter den älteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. Glasanow (Oberbürgermeister, wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjähriges Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, während unter den jüngeren die von B. M. Wolff hervorragend ist. Der kürzlich verstorbene Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste um die Verschönerung der russischen Schrift und der Anpassung der Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die von Golowin. Alex. Bencke liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und beschäftigt nur Nationalrussen. Hermann Hoppe giebt das illustrierte Journal, von Ed. Hoppe gedruckt, heraus. Die Gesellschaft Allgemeiner Nutzen ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders für Herausgabe illustrierter Blätter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale von Flinsch in Frankfurt a. M. (Franz Mark), Revillon & Co. und O. J. Lehmann. Die lithographische Anstalt von A. Iljin liefert gute Landkarten.

Die Provinzen.

In Moskau wird die graphische Kunst in ziemlich umfangreicher Weise geübt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202 Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen Seliwanowski bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte Synodalbuchdruckerei (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmässige Einrichtung. Mor. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere.

Dorpat hatte schon 1624 eine Offizin, Mitau 1774, Odessa 1825. Charkow mit seiner 1804 gegründeten Universität erhielt 1820 eine Druckerei. In Warschau sind namentlich H. & M. Orgelbrand durch ihre hebräischen Drucke bekannt.

In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische.

Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berühmten Kloster Etzschmiazin bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein zweiter Druckort ist Nachitschewan, wo 1794 unter anderem eine Übersetzung von Fénelons Télémaque erschien. Tiflis hat mehrere Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie Sarepta befand sich seit dem Jahre 1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. Astrachan erhielt zu Anfang des Jahrhunderts, Kasan 1815 Offizinen.