In den Gouvernementsstädten Sibiriens finden sich zwar Buchdruckereien, jedoch primitivster Einrichtung, nur Jekaterinenburg und Irkutsk haben gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens, welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In Selenginsk wurde auf Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in mongolischer Sprache gedruckt.

Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr über Mangel an Lumpen, die namentlich nach England ausgeführt werden. Die Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik liefert jährlich etwa sieben Millionen Spiele.

Statistisches.

Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der erschienenen Bücher betrug 2589. 1870 war der Wert der Büchereinfuhr 1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel.

Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhältnismässig sehr geringe und betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa.

Zeitungswesen.

Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der „Golos“ (die Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die Times eine bestimmte Tendenz, aber ein ebenso feines Gehör für das, was kommen würde. „Die neue Zeit“, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas an Verbreitung eingebüsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast den Sieg über die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen, wogegen die „Russische Wahrheit“ einen gebildeten Ton anschlug. Auch das „Gerücht“ hielt sich von Chauvinismus frei. Die „Moskauer Zeitung“ hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande südlich und östlich von Moskau Geltung.

Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, „Der Regierungsbote“. Als offiziös konnten das Journal de St. Pétersbourg und die Agence générale russe und im Auslande der Brüsseler Le Nord, allenfalls auch der „Russische Invalide“ gerechnet werden. Neben der russischen St. Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehören der Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits 1877 ihr 150jähriges Jubiläum gefeiert.

Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter Präventiv-Zensur, müssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht zeitweiliges oder auch vollständiges Verbot nach sich. In ausländischen Angelegenheiten haben die grossen Blätter ziemlich freien Spielraum, und sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie man gewöhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung.

Manche Städte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kämpfen hat, mag daraus erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit für Satz und Druck.