DIE DONAULÄNDER.
Die jüngsten Staaten.
Wir wenden uns jetzt den jüngsten selbständig gewordenen Mitgliedern des europäischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung für die Presse erst der Zukunft gehört. Mit der Erlangung des politischen Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblühen des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Gährung überstanden, so ist es bei der Bildungsfähigkeit der betreffenden Völker auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wünschen bleibt, dass es nicht deutschfeindlichen Einflüssen gelingen möge, nationale und geistige Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Völker selbst am meisten gegen ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges Interesse handeln würden.
Serbien.
Serbien[270]. Als die neue Ära in unserem Jahrhundert für Serbien begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des Wissens oder vielmehr der Unwissenheit.
Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem Woiwoden von Celat, Georg Cernojević, 1493–1495 veranstaltete, mit cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik den schönsten slawischen Druck nennt, wie überhaupt die Erzeugnisse der südslawischen Pressen an innerem und äusserem Wert die ihnen um einige Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke übertrafen.
Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI. Jahrhundert in den Kämpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte Russland die südslawischen Länder mit Kirchenbüchern, bis die eigene Staatsdruckerei die Lieferung derselben übernehmen konnte. Ferner that die englische Bibelgesellschaft manches für die Verbreitung des Neuen Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk übersetzen und mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich Übersetzungen, wurden in Österreich und Deutschland gedruckt.
Die Staatsdruckerei.
Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt. Dieselben wurden zuerst in Kragujevac aufgestellt, um unter der Leitung Berrmanns aus Wien erst nur liturgische Bücher mit russischen Lettern zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Fürsten Milosch nach Belgrad verlegt und mit noch drei Handpressen, später mit zwei König & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei wurde von dem Stuttgarter Ockenfuss eingerichtet. Um den Typenschnitt machten sich zwei andere Deutsche, Schröpel († 1864) und dessen Faktor Walter aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr als 50 Setzer und Lehrlinge beschäftigt und zahlreiche Arbeiten wurden sowohl für den Staat wie für Private ausgeführt, ausserdem die Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt.
Um 1850 wurde auch die Lithographie durch einen Deutschen, Braumann, eingeführt. Karten, Pläne und andere chromographische Arbeiten wurden in guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr gut gedruckt.