Nachdem Königs Hoffnungen in Deutschland, Österreich und Russland vollständig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in dem folgenden Jahre in dem tüchtigen Buchdrucker Thomas Bensley einen Mann, der die nötigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls an einen klug-berechnenden und eigensüchtigen Fust gefesselt, hatte jedoch das Glück, in seinem Peter Schöffer — Andreas Friedrich Bauer — nicht nur einen technisch tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen treuen Freund für das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery — John Walter — nicht nur den wohlwollenden und vermögenden Beschützer, sondern den mächtigen direkten Förderer seiner Pläne zu finden.

R. Taylor und G. Woodfall.

Das erste Patent.

Zu König und Bensley traten noch Richard Taylor und G. Woodfall, bekannte Buchdrucker und rechtliche Männer. Es wurden nach und nach vier Patente für verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen. Das erste Patent: „Für eine Methode mittels Maschinen zu drucken“, wurde Fr. König am 10. März 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27. September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende Bewegung zurückgeführt, so dass Betrieb durch Dampf möglich war und die Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rähmchen waren ungefähr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das Rähmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war. Beide schlossen und öffneten sich durch einen einfachen Mechanismus. Die Druckfarbe wurde aus einem Behälter ausgepresst. Die Zerteilung der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Längsrichtung sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit egalisiertem Ballenleder überzogen waren. 1811 im April war diese erste Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des Annual Register for 1810 in einer Auflage von 3000 Exemplaren.

Zweites Patent.

Das zweite Patent „für weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen zu drucken“ datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29. April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden Schnellpressen ausgesprochen. Es enthält eine ausführliche Beschreibung und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch erwähnt, dass durch eine Kombination einer grösseren Anzahl derselben Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden könne und dass überhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzügen in kürzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen erläutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation vom 22. Juli 1814, bezieht sich „auf additionelle Verbesserungen der Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die endlose Bänderleitung, die Horn- und Segmenträder und die Verbindung des Druckcylinders mit dem Karren betrifft“.

Drittes Patent.

Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von Clarkson, Life of W. Penn. Vol. I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der Eigentümer der Times, J. Walter, die Leistung gesehen, war er in wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese Maschinen mit doppeltem, vorwärts und rückwärts wirkendem Druckcylinder lieferten in der Stunde 1100 Abdrücke in einer weit besseren Ausführung, als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste Nummer der Times, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin im Printinghouse-Square hervor. John Walter selbst machte dies dem Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst:

„Über die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebäude, welches er errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder der Druckmaschine darbringen können, diese selbst, deren Macht und Nützlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag genügen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er Friedrich König heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausführung gebracht wurde.“

Viertes Patent.