Miller Ritchie † 28. Nov. 1828.
Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich Miller Ritchie, einem geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785 mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde. Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten.
Will. Bulmer * 1754, † 1830.
Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben Bestrebungen muss William Bulmer genannt werden, dessen Name mit dem Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer (1794–1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt Shakespeare-Press, gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith und Parnell. 1798–1803 wurde das prachtvolle Museum Worsleyanum, zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £ Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins Typographical Antiquities und die Bibliotheca Spenceriana, wohl das brillanteste bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen Pressen ist ferner Dibdins Bibliographical Decameron mit einer grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins Sanskrit Grammar, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung. 1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf Will. Nicol, den Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt. Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird Daniel Grimsshaw genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.
Th. Bensley und andere.
Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt wurde, war Thomas Bensley. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.
Ch. Whitaker.
Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch Charles Whitaker. Seine Ausgabe der Magna Charta, ganz in Golddruck von hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben.
Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht The Press, von dem Buchdrucker John M'Creery im Jahre 1803 gedichtet und gedruckt, und von Holl illustriert.