Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem 14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle: Ralph Beilby.

Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus. Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt „Der alte Hund“ erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte Prämie für den besten Holzschnitt. Die „Geschichte der Vierfüssler“ erschien 1790; das berühmte Werk „Die Geschichte der englischen Vögel“ folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters, der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795 in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre 1870 erschienenen Album vereinigt[57].

Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.

Der Farbendruck.
W. Savage.

Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so auch in dem Farbendruck. Zuerst ist William Savage zu nennen, geboren zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790 als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London, und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden: Hints on decorative Printing in zwei Teilen (1819–1832). 1840 folgte sein bekanntes Werk Dictionary of the Art of Printing. Übertroffen wurde er von George Baxter.George Baxter, der seine ersten Versuche 1835 machte und Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten Arbeiten finden sich in seinem Pictorial-Album, das 1837 bei Chapman & Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von einem kleinen Blatt „Die Dreieinigkeit“ nach Rafael wurden über 700000 Exemplare verkauft.

Will. Congreve * 1772.

Eine weitere Art des Farbendruckes, welche eine zeitlang eine bedeutende Rolle spielte, ist diejenige von dem, auch durch seine Tod und Verderben schleudernden Raketen bekannten Sir William Congreve erfundene. Congreve war Zeuge von dem mühsamen zweifarbigen Druck in der Applegathschen Buchdruckerei gewesen, und da die englische Regierung einen Preis auf die Herstellung unnachahmlicher Banknoten gesetzt hatte, richtete er alle seine Gedanken auf diesen Punkt. Er erhielt ein vierzehnjähriges Patent auf eine von Donkin für ihn gebaute Maschine. Das Prinzip des Congreveschen Druckes beruht darauf, die verschiedenen Teile einer Metallplatte, insoweit diese mit einer und derselben Farbe gedruckt werden sollen, knapp aus der Platte herauszusägen, so dass sie, wieder in einander gefügt, ein Ganzes bilden. Nach einander werden die Teile, welche eine und dieselbe Farbe bekommen sollen, durch Unterlagen hochgestellt und eingefärbt, bis schliesslich das Ganze, welches nach Entfernung aller Unterlagen eine glatte Oberfläche bildet, mit einem Zug des Bengels abgedruckt werden kann. Im Verein mit einem Buchdrucker Whiting legte Congreve eine Buchdruckerei an, die sich hauptsächlich mit Druck von Etiquetten u. dgl. beschäftigte. Durch die Fortschritte der Lithographie und die Erfindung der Mehrfarbenmaschinen ist Congreves Methode so gut wie verdrängt. Die Engländer nennen sie Compound Printing, die Bezeichnung „Congreve-Druck“ rührt von Ed. Hänel her, der das Verfahren nach Deutschland brachte.


Ausser London haben als Druckorte in England nur Oxford und Cambridge, in Schottland Edinburgh eine grössere Bedeutung.

Oxford.