Von den Buchdruckereien der beiden englischen Universitäten nimmt die in Oxford den bei weitem wichtigeren Platz ein. Nachdem sie von 1669–1713 in dem Sheldonian Theater installiert gewesen war, wurde sie in den Clarendonbau übergeführt und blieb dort, bis sie 1830 die schöne und geräumige Lokalität bezog, die sie jetzt noch innehat. Bei der Abgesondertheit von dem grossen Verkehr war es notwendig, alle Branchen, sogar Farbe- und Walzenfabrikation, zu vereinigen. Gebunden wurden die Bücher in der Universitätsbuchbinderei in London. Das Papier lieferte eine der Universität gehörende Fabrik in Wolvercote. Eine besonders gepflegte Spezialität war neben dem Bibeldruck die Herstellung orientalischer Werke. Die Druckerei erhielt seit der Clarendonschen Stiftung noch öfters wertvolle Dotationen, so z. B. 1785 eine von Lord Godolphin im Betrag von 5000 £ Sterl.

Cambridge.

Die Universitätsdruckerei in Cambridge, Pitt-Press genannt, befindet sich seit 1834, gerade drei Jahrhunderte nach ihrer Begründung, in einem neuen, im Stil des XV. Jahrhunderts, erbauten kirchenähnlichen Gebäude, das 1860 erweitert wurde. Die Kosten wurden zumteil aus den Überschüssen des zu einem Denkmal für William Pitt gesammelten Fonds bestritten. Die Offizin kann sich an Bedeutung für die Wissenschaft zwar nicht mit der Clarendon-Press in Oxford messen, hat jedoch in neuerer Zeit einen raschen Aufschwung genommen, welcher namentlich C. J. Clay, seit 1856 Direktor und Teilnehmer sowohl des Cambridger als des Londoner Geschäfts der Universität, zuzuschreiben ist.

Edinburgh.

In Edinburgh, dem „Neuen Athen“, herrschte zu Beginn des laufenden Jahrhunderts ein sehr bewegtes litterarisches und typographisch-bibliopolisches Leben.

James Balantyne * 1772, † 16. Juni 1821

Der bekannteste Buchdrucker war dort James Balantyne[58]. Nachdem er der Jurisprudenz, seinem vorherigen Berufe, Lebewohl gesagt hatte, etablierte er in seiner Vaterstadt Kelso eine Buchdruckerei. Ein Zufall brachte ihn auf einer Reise mit seinem früheren Schulkameraden Walter Scott zusammen, woraus eine, für beide erst glänzende, dann verhängnisvolle Geschäfts-Verbindung entstand. Die von Balantyne gedruckte Ausgabe der Balladen Walter Scotts erregte durch ihre schöne Ausstattung solche Aufmerksamkeit, dass man Balantyne veranlasste, nach Edinburgh überzusiedeln. Seine Offizin nannte er The Border-Press, nach dem Werke Scotts Minstrelsy of the Scottish Border. Bis 1826 druckte er nun alle Werke Walter Scotts, der Teilhaber der Druckerei und des wöchentlich erscheinenden Edinburgh Journal wurde. Walter Scott sowohl als sein Drucker erlitten — wie es kam, ist nicht ganz aufgeklärt — einen gemeinschaftlichen finanziellen Ruin. Thatsache ist, dass ihre Freundschaft diesen überlebte. Balantyne war auch ein von Walter Scott gern gehörter Kritiker, der mit grosser Sorgfalt und vielem Verständnis die manchmal flüchtigen Manuskripte des Dichters verbesserte.

Die letzte Veranlassung zu der erwähnten Katastrophe gab der plötzliche Fall des Verlegers Walter Scotts Archibald Constable, der zugleich Verleger der Encyclopaedia Britannica geworden und 1802 das Edinburgh Review begründet hatte, welche Werke später alle auf A. Ch. Black übergingen.

A. Black * 1784.

Der Begründer dieser Firma war Adam Black im Verein mit seinem Neffen Charles Black. Das Edinburgh Review erwarben sie 1826 gemeinschaftlich mit Th. N. Longman, allein kauften sie die Encyclopaedia Britannica, die eine glänzende Aufnahme fand. Die Kosten der 1842 beendigten siebenten Auflage, 21 Bände in Quarto, betrugen über 2½ Millionen Mark; 1851 wurden Blacks Besitzer des Verlagsrechtes auf Scotts Romane.