Die Zeitungspresse.

Am staunenswertesten ist die Entwickelung, welche die Zeitungspresse trotz des erschwerenden Zeitungsstempels nahm. 1761 wurde letzterer auf einen Penny, 1776 auf anderthalb, 1789 auf zwei Pence festgestellt; 1794 musste der ganze Bogen drittehalb, 1799 viertehalb, schliesslich gar vier Pence zahlen. Im Jahre 1833 brachte diese Steuer dem Staate gegen 10½ Millionen Mark ein, zu welchen die Times allein zeitweilig über zwei beizutragen hatten. Für jedes Inserat musste 3 sh 6 d Abgabe gezahlt werden, infolge dessen die kleinste Bekanntmachung mit 7 sh berechnet wurde. Jede Zeitungsnummer kostete gewöhnlich 7 Pence.

Die Times.

Es ist nicht hier die Aufgabe, die Entwickelung des Zeitungswesens Schritt für Schritt zu verfolgen, geboten scheint es jedoch, in einem Handbuch der Buchdruckerkunst wenigstens der historisch gewordenen Offizin der Times, welche für alle folgenden grossartigen Zeitungsoffizinen als Muster galt, einige Worte zu widmen, um so mehr, als die Besitzer immer voran waren, wenn es galt, neue Erfindungen zu benutzen oder selbst die Initiative zu solchen zu ergreifen.

John Walter d. ä.

Der Begründer der Times, John Walter d. ä., war ein bedeutender Kohlenhändler. Als er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte, verlor er als Beteiligter bei Schiffsassekuranzen sein ganzes Vermögen, nicht aber den Ruf eines braven und redlichen Mannes. Zum Glück für den Journalismus wurde durch einen Ministerwechsel seine Hoffnung auf eine Staatsanstellung zunichte. Damals führte ihn der Zufall mit einem Setzer Henry Johnson, einem Schwärmer für ein ihm patentiertes Logotypsystem, zusammen. Walter erwarb dessen Patent, modifizierte das System jedoch so wesentlich, dass man es wohl als „System Walter“ bezeichnen kann. Die Typen wurden wie andere, jedoch etwas niedriger als üblich, gegossen, durch Untergiessen von Metall verbunden und auf die richtige Höhe gebracht. Walter etablierte sich nun als Logographic Printer und wurde von Benjamin Franklin und Sir Josuah Banks, Präsident der Gesellschaft der Wissenschaften, aufgemuntert. Er selbst nährte die ausschweifendsten Hoffnungen in betreff der Erfolge und teilte die Menschheit in zwei Klassen, Freunde und Feinde der Logotypen. In jedem, der Zweifel an seinem System hegte, erblickte er einen persönlichen Feind, so in dem bisher mit ihm eng befreundeten Schriftgiesser Caslon und dem berühmten Buchdrucker John Nicol. Der gekränkte Walter wollte, nachdem er es bereits mit einem Büchlein: Gabriel, the Outcast, versucht hatte, nun auch der Welt zeigen, dass man Zeitungen mit Logotypen zweckmässig herstellen könne. Am 1. Januar 1785 erschien Nr. 1 des Daily Universal Register. Es fand jedoch keinen grossen Beifall und mit dem 1. Januar 1788 wurde der Titel in Times umgeändert, deren erste Nummer jedoch in der angefangenen Reihenfolge weiter als Nr. 940 erschien.

So war der Anfang der Times, die später zwar den Besitzern reichen Segen, anfänglich jedoch schwere Sorgen brachten. Das Logotypsystem wurde von Walter selbst als unpraktisch über Bord geworfen.

John Walter II.

Dem alten Walter folgte der Sohn John Walter ii. Denselben klaren Blick, welcher ihn sofort sich der Erfindung Friedr. Königs bemächtigen liess, zeigte er auch in allen anderen Verhältnissen. Es giebt Zeitungen mit einer weit grösseren Auflage, als die Times sie je gehabt, aber kein Blatt hat je eine bedeutsamere Stellung eingenommen. Sie wurden eine förmliche Macht, auf deren Stimmabgabe Behörden, Richter, die Vertreter des Handels und der Industrie spannten und mit der Regierungen wie mit einer gleichberechtigten unterhandelten. Jeder Engländer betrachtete dieses Institut wie einen Teil seines eigenen Ichs und eine Schädigung desselben wie eine ihm selbst zugefügte. Kein Fremder, der nach London kam, vergass, wenn er die Erlaubnis zu einem Besuch in der Offizin im Printinghouse-Square erhielt, einen solchen abzustatten.

Die neue Times-Druckerei.