Doch diese historisch berühmten Räume wurden dem Blatt nach und nach zu eng und mussten durch Neubauten ersetzt werden. Die Hauptfaçade derselben, in einer Länge von 100 englischen Fuss und einer Höhe von 60 Fuss, die für den breiten Giebelteil auf 80 Fuss steigt, liegt nach der Victoriastrasse. Das Kellergeschoss bildet einen grossen, 16 Fuss hohen Raum und ist ausschliesslich dem Bau der „Waltermaschine“ gewidmet. Das Gebäude, von roten und gelben polierten Ziegeln aufgeführt, enthält ausserdem noch ein Parterre und vier Stockwerke; jede Etage hat neun halbbogenförmige Fenster. Der Eingang, architektonisch reich geschmückt, in gehauenen Steinen ausgeführt und mit Bogen, die auf polierten Granitsäulen ruhen, befindet sich an dem westlichen Ende. Ein vier Fuss hoher Karnies aus gehauenen Steinen wird durch den Giebelbau, der fast zweidrittel der Länge einnimmt, unterbrochen. Als Ausschmückung sind auf diesem drei grosse offene Bücher, von reichem Eichenlaub mit Eicheln umgeben, angebracht. Auf dem mittelsten derselben ist mit grossen schwarzen Buchstaben zu lesen: Times; auf dem links: Past Times; auf dem rechts: Future.

Die Times haben direkte Drähte von Wien, Berlin und Paris. Mit den Sälen der Parlamentshäuser stehen sie durch telephonische Leitung in Verbindung. Das Endstück in der Offizin ist mit zwei Tuben versehen, welche an den Ohren des an der Kastenbeinschen Setzmaschine arbeitenden Setzers angebracht sind. Der Reporter spricht ihm die Verhandlungen zu, der Setzer spielt sie auf seinem Klavier ab, und der Satz ist fertig. Man hat dabei alle die Vorteile des mündlichen Verkehrs, um Nichtverstandenes zu wiederholen und Missverstandenes aufzuklären. Gegen die bisherige telegraphische Verständigung bietet die telephonische den Vorteil, dass die Wiedergabe der Berichte über die in der Nacht stattfindenden Parlaments-Debatten fast um eine Stunde weiter reichen kann, als früher der Fall war.

John Delane.

Von 1841–1879 leitete John Thaddeus Delane das Blatt als Hauptredacteur mit grossem Geschick und feinem Takt, ohne jedoch bei der Herausgabe litterarisch thätig einzugreifen. Wenn man die Times so oft als das „leitende Blatt“ bezeichnet, so ist dies insofern vielleicht nicht ganz korrekt, als sie nicht den Anspruch erheben, die öffentliche Meinung zu „machen“. Ihr Hauptverdienst ist, rasch und sicher zu fühlen, was die öffentliche Meinung will, und dies dann bestimmt auszusprechen, oft ehe sich das Publikum selbst darüber recht klar geworden ist. Ihre Ansichten gegen den Strom durchsetzen wollen die Times nicht, und deshalb sind oft Vorwürfe gegen dieselben erhoben worden, als hätten sie einen nachteiligen Einfluss auf den englischen Volksgeist und die englische Politik geübt. Damit haben wir es jedoch hier nicht zu thun; als Institution des Buchgewerbes muss den Times unbedingte Bewunderung ausgesprochen werden und es mögen die von Sir Ed. Lytton Bulwer im Parlament gesprochenen Worte noch hier stehen: „Wenn ich in der Lage wäre, ein Denkmal unserer Civilisation der späteren Nachwelt hinterlassen zu müssen, so würde ich nicht in erster Reihe unsere Docks, unsere Eisenbahnen, nicht unsere öffentlichen Gebäude, selbst nicht den Prachtbau, in welchem wir tagen; ich würde einen Band der Times wählen“. John Walter II. speziell muss jeder Deutsche seine Achtung zollen wegen der Art und Weise, wie er für Friedr. König eintrat. Ohne den festen Rückhalt, den letzterer an Walter fand, wäre er wahrscheinlich, als ein zweiter Gutenberg, in den Händen kleinlicher Geldmenschen, verkümmert.

Das Fallen der Stempelsteuer.

Das Sinken der fesselnden Steuer auf Zeitungen ging rascher als das Steigen. 1851 war sie ganz abgeschafft, 1861 die Papiersteuer. Jetzt stand der Entwickelung einer wohlfeileren Zeitungspresse, dem sogenannten Monopol der Times gegenüber, nichts im Wege, und man verfehlte nicht, rasch von der Lage Gebrauch zu machen. Zwar fehlte es nicht an ängstlichen Gemütern, welche gerade in den Erleichterungen einen Ruin der „guten Presse“ und ein Heraufbeschwören der bösen Geister erblickten. Diese Stimmen sind durch die mit den Times um den Einfluss kämpfenden Penny-Blätter zum Schweigen gebracht und noch jetzt gelten die Worte Macaulays: „Während eines Zeitraums von 170 Jahren ist die Freiheit unserer Presse immer vollständiger geworden und während dieser 170 Jahre ist die Beschränkung, welche das allgemeine Urteil der Leser den Schriftstellern auferlegt, immer strenger geworden. Noch heutzutage sind Fremde vollständig ausser Stande, zu begreifen, wie es geschehen kann, dass die freieste Presse in Europa zugleich die rücksichtsvollste ist.“


Statistik der Zeitungspresse.

Was die Zahl der Organe betrifft, steht die englische Zeitungspresse nicht nur weit hinter Amerika, sondern selbst gegen Deutschland und Frankreich zurück, ihre Macht ist jedoch nicht in der Zahl, sondern in dem Umfang, der Reichhaltigkeit und der starken Verbreitung der Zeitungen zu suchen[61].